09.04.2018
Artikel bewerten
(3 Stimmen)

SpaceX und ein Auto im Weltraum | Josef M. Gaßner

Am 6. Februar markierte SpaceX mit dem Start der Falcon Heavy Trägerrakete ihren bisherigen Höhepunkt. In der deutschen Berichterstattung wurde die erfolgreiche Testmission schwer kritisiert und in Wissenschaftskreisen ist schon seit Längerem vielen die zunehmende Privatisierung der Weltraumfahrt ein Dorn im Auge. Ein Kommentar von Josef M. Gaßner.

Video ansehen

Weitere Informationen

  • Schwierigkeitsgrad: - Leicht
  • Dauer (min.): 7
  • Format/Stil: Josef M. Gaßner solo, Dokus

Personen in dieser Konversation

  • Hallo UWudL-Team,
    ich sehe das Thema US-Milliardäre, Wissenschaft und Technik bzw. technischer Fortschritt allgemein sehr kritisch. Ganz klar schätze ich Wissenschaft und Technik bzw. technischen Fortschritt sehr, doch aktuellen Entwicklungen geben mir gewissen Anlass zur Sorge. Ich folge der Begeisterung unserer Prof. Gassners, dass er begeistert ist, wenn es in Sachen Weltraumfahrt (egal wohin) wieder „etwas“ voran geht. Klar hier herrscht(e) lange Zeit fast schon Rückschritt als Fortschritt.
    Lag vor einigen Jahren das Monopol der Weltraumfahrt noch in Staatshänden fällt dies langsam auf die Privatindustrie ab. Privatindustrie arbeitet meines Wissens nach aber nie im Sinne des Allgemeinwohls, sondern nur auf Gewinnmaximierung und stetiges Wachstum (ich hätte es noch nie anderes vom Kapitalismus gehört). Egal wie, hier will auch Elon Musk ganz vorn dabei sein. Nun mag eine etwaige Marsmission auf den ersten Blick keinen Profit abwerfen, aber falls der Staat auf die Idee kommt eine Marsmission per Ausschreibung zu vergeben (und das wird man wohl), geht der als Gewinner hervor, der das technisch ausgeklügelste und trotzdem preisgünstigste Angebot vorlegt. Somit schließt sich der Ring nach Gewinnmaximierung. Wenn man der einzige ist, der diese Mission günstig und trotzdem für sich gewinnbringend anbieten kann, dann ist man quasi das Apple unter den Raumfahrtunternehmen. Vom persönlichen Ruhm so einer Mission mal ganz abgesehen. Ja und egal, Marsmission sehe ich erstmal als „formloses“ Unterfangen ohne jetzt den konkreten Inhalt zu spezifizieren. Der Sinn einer Marsmission wäre praktisch eh nur von humanistischer Bedeutung in der Art eines Leuchtturmprojektes als von großem wissenschaftlichen Nutzen.
    Das Eigentliche, was mich immer und immer wieder betrüblich macht ist nur mal beispielhaft diese Sachlage.
    Schauen wir uns zwei Fakten an: Glaubt man der aktuellen Forbes Liste 2018 so wird das Vermögen von Elon Musk auf ca. 20 Mrd. US$ beziffert (grob ca. 17 Mrd. EUR).
    Sehen wir im Vergleich dazu, was die HSH Nordbank an Geldern in den Sand gesetzt hat, für das wir alle gemeinsam als Steuerzahler aufkommen müssen, dann belaufen sich die Schätzung (je nach Quelle) auf bis zu 20-30 Mrd. EUR. Geld das im Nirwana der Finanzwelt seinen Besitzer gewechselt hat und dies quasi auf Lasten aller.
    Rechne ich jetzt aus, was man für die 20-30 Mrd. EUR an wirklich nützliche und schicke Forschungsdinge hätte machen können – gigantomanisch! Da wäre sogar ein eigenes deutsches Raketenprogramm drinnen gewesen. Von einem ausreichend großen Fusionsreaktor vom Typ Stellartor in Deutschland ganz zu schweigen. Dies hätte Deutschland in diesem Forschungsbelangen weltweit ganz nach oben geschossen. Mal abgesehen, dass es der Bildungssektor in Deutschland oder gar Umweltprojekte ebenfalls sehr nötig gebraucht hätten. So wird vom Größenwahnsinn einiger deutscher Politiker nur Geld als Schulden für die Bürger umgemünzt.
    Somit steht für mich die Frage: Ist es überhaupt sinnvoll Grundlagenforschung in staatlichen Händen zu halten, bei Politikern, die oftmals keinen blauen Dunst haben von dem für das sie zuständig sind? Sind idealistische Milliardäre nicht die besseren Forschungssponsoren?
    Oder läuft die Wissenschaft Gefahr sich vor einen Karren spannen zu lassen, dessen Weg nur der Kutscher kennt und leitet? Schwingt sich dieser Kutscher irgendwann mal zum „Führer“ der Wissenschaft auf? Ob da alle Wissenschaftler dann ehrhaft bleiben oder der Macht des Geldes verfallen steht wahrhaft in den Sternen. Mit Raketen kann man viel andere schlimme Dinge auf der Erde verschießen.
    Ich darf nur hoffen, dass der Elon Musk sich grundlegenden menschlichen Werten zugekehrt fühlt. Bei so Milliardären habe ich immer meine Bedenken, denn die Milliarden sind nie und nimmer durch ehrlichen Handarbeit entstanden – etwas Ausbeutung in egal welcher Form steckt immer dahinter.
    Zumindest lässt mich einer seiner letzten Tweets per Twitter zu den Problemen in seiner Tesla Schmiede aufblicken - Elon Musk per Twitter: „Yes, excessive automation at Tesla was a mistake. To be precise, my mistake. Humans are underrated.“

    PS. Es gibt noch gute Tweets aus den Staaten!
    PPS. Ein Tesla im Weltraum ist allemal besser als wieder irgendein Militärsatellit!