18.06.2018
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Portrait Wolfgang Pauli | Ernst Peter Fischer

Wolfgang Pauli war eine schillernde Persönlichkeit in der Wissenschaftsgemeinde. Der Wissenschaftshistoriker Ernst-Peter Fischer erstellt ein Portrait eines Menschen zwischen naturwissenschaftlicher Genialität und dem Nachtleben auf St. Pauli.

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  • Schwierigkeitsgrad: - Leicht
  • Dauer (min.): 91
  • Format/Stil: Gastbeitrag
  • Serien: Portrait

Personen in dieser Konversation

  • Hallo UWudL-Team,
    Jaja unser Ernst Peter Fischer! Irgendwie ist es immer sehr interessant zu beobachten, wie entspannt Herr Fischer vom Start her ist. Allein schon vom Beginn weg, war der Beitrag für mich gefühlt im Wortfluss angenehm. Doch irgendwann bricht bei ihm die Begeisterung an der Sache durch und Schwupps haben die Pferde wieder die lange Leine bekommen. Da fehlt auch mal schnell ein Wort im Satz – sei’s drum – mittlerweile habe ich Herrn Fischer schon irgendwie ans Herz genommen – allein die Begeisterung an der Sache lässt ihn doch irgendwie sehr authentisch wirken.
    Inhaltlich fand ich den Beitrag fast schon auf Stufe schwer. Obwohl „nur“ vorgetragen wurde und nichts mathematisch Kompliziertes behandelt wurde. (ähnlich zum Beitrag Heisenberg). Die Wortwahl und die Satzgestaltung sind für mich schon sehr anspruchsvoll. Da muss ich konzentriert zuhören um nicht den Faden zu verlieren. Ich könnte meinen Kommentar zum Beitrag Heisenberg fast wörtlich wiederholen. OK vielleicht liegt es daran, den Beitrag (die Beiträge im Allgemeinen) immer irgendwann nach 22 Uhr anzusehen und damit lastet die geistige Fracht des ganzen Tages zusätzlich auf meinem Kopf. Ja und ganz einfache Kost ist es nun wirklich nicht.
    Nun aber zum Thema des Beitrags. In der Vergangenheit war für mich Wolfgang Pauli eher der große Unbekannte – Unbekannte, da er mir weder in der Schule/Gymnasium noch Studium nennenswert erwähnt wurde – eher mehr so beiläufig. Nach dem Beitrag von Prof. Gassner und vor allem jetzt nach dem Beitrag von Herr Fischer habe ich mich etwas tiefer mit Pauli befasst.
    Kurzum aus dem Bauch heraus begeistert mich Wolfang Pauli. (Bem.: Gefühlt habe ich an seiner Biographie ähnliche meiner Werdegänge (wenn auch in wesentlich deutlich kleineren Maßstäben) entdeckt, mit denen ich mich gut identifizieren kann.)
    Besonders interessant finde ich neben seinen hervorragenden mathematisch-physikalischen Fähigkeiten seinen Sinn für das Unbewusste. Oder besser ausgedrückt, obwohl er stets mathematisch-physikalisch exakt agiert haben soll, hat er den unbewussten Teil seines Ichs nicht unterdrückt, sondern wohl sogar eher gepflegt. Umsonst kam es nicht zum besagten „Pauli-Effekt“ (Es ist unmöglich, dass sich Wolfgang Pauli und ein funktionierendes Gerät im selben Raum befinden.) Einer der klaren mathematisch-physikalisch Verstandes ist und trotzdem auf seine Träume hört ist für mich „total abgefahren“ und ich meine dies positiv! Vielleicht hat er wirklich so ein Gefühl im Bauch (und Kopf) gehabt – vor allem in Anbetracht seiner Erkenntnis, dass im Quantenbereich die üblichen menschlichen Vorstellungskräfte versagten, dass viel mehr hinter der Natur steckt als der Mensch mit seinen bewussten Sinnen erkennen kann. Durchaus denkbar, dass die Physik einen Beobachterselektionseffekt unterliegt – viele Dinge in der Physik wurden immer den menschlichen Vorstellungskräften passend gemacht. Klar ist in vielen Fällen die einfachste Lösung der von der Natur gewählte beste Weg, doch schlägt eventuell nicht unser Bewusstsein uns ein Schnippchen und führt uns nur zum aktuellen optimal erscheinenden Ergebnis? Genau wie Pauli analysiere ich oftmals meine Träume und ich versuche häufig „bewusst“ den Träumen eine Richtung zu geben. Die Ergebnisse sind vielfach verblüffend und umwerfend – da komme ich manchmal ins Zweifeln mit der Aussage: „Träume sind nur Schäume!“ (Bem.: Details führe ich hier nicht aus. Zumindest kann ich sehr wohl zwischen Schaum und Substantiellen unterscheiden.) Um die Worte von Prof. Gassner zu adaptieren: Bei manchen Träumen frage ich mich, wie es mir gelungen ist mit einem Fischernetz mit 10 cm Maschenweite einen Fisch von nicht mal 1 cm einzufangen. Übertrage ich meine Erfahrung auf Pauli, kann ich mir gut vorstellen, dass Pauli von Dingen träumte, die über seinem (Wach-) Bewusstsein lagen und ihn Türen aufstießen, die einer Deutung bedurften. Ohne jetzt ins Esoterische abzudriften kann ich mir gut vorstellen, dass bei Abschaltung des aktiven menschlichen Bewusstseins (im Sinne des Schlafes) Prozesse ablaufen, die nicht dem Bewusstsein unterliegen und trotzdem Quelle für neue Erkenntnisse (vermutlich sogar revolutionierende) sein können. Es könnte sogar sein, dass das Unbewusstsein die viel größere Innovationsquelle des Menschen ist als das Bewusstsein. An diesem Punkt führe ich gern das Spiegelparadoxon auf, was einem Menschen bei vollem Bewusstsein ein Sichselbst mit vertauschten Seiten vorspiegelt – so als wäre es real. Klar physikalisch lässt sich dies richtig deuten und klarlegen, doch in der Quantenwelt wo die Vorstellungskraft des Menschen versagt und er nur versucht mit vorstellbaren Elementen sich Unvorstellbares vorzustellen, dies zwar gewiss mathematisch rechnen kann – lässt für mich trotzdem so viel Raum zur Ausdeutung zu, was schlussendlich trotzdem nur eine Art „Passend-Rechnen“ ist. Daher kann ich der Suche nach Erkenntnissen im Unbewusstsein, so wie es Pauli tat, schon eine gewisse Note abringen, weil das Unbewusstsein nicht vom Bewusstsein geblendet ist. Das Unbewusstsein kann kein irgendwie nur weißes Rauschen im Äther sein. Es muss geprägt von all den ungerichteten und allumfassenden Einwirkungen und Wechselwirkungen aus der Umwelt und somit gleichsam aus der Quantenwelt sein. Trägt der Mensch mit dem Unbewusstsein vielleicht den größten und komplexesten Detektor der bekannten Welt mit sich herum – und dies ohne es bewusst zu wissen? Bleibt schlussendlich die Frage, wie schöpft man diesen Detektor ab? Vermutlich hat Pauli mit genau diesen Fragen gerungen.
    Wäre folglich mal interessant welch neue Ideen entstehen, wenn die Ausgezeichneten der Festveranstaltung vom 10. Dezember gesammelt in St. Pauli einfallen und sich Wein, Weib (und vise versa) und Gesang hingäben und den Unbewusstseins-Detektor aktivieren.
    (Bem.: Allein, dass ein Stadtteil nach Pauli und sogar Sankt benannt wurde, wäre selbst mir ein Gläschen Champagner wert gewesen ;-). Wolfgang Pauli wird dies wohl auch so gesehen haben.)
    Übrigens…
    Schade, dass es früher noch kein YouTube gab. Gern hätte ich mir eine Vorlesung von Pauli angesehen – so stimme ich Prof. Gassner sinngemäß bei: „Mit Pauli hätte ich gern mal ein Bier getrunken und geplauscht!“
    PS: Gibt es jetzt noch solche prägenden Köpfe wie Pauli in der Wissenschaft oder gibt es heute nur noch handzahme Forscher in sauberen Labors?