Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:
  • Seite:
  • 1
  • 2

THEMA: Detailfrage: Wie werden Planeten gebremst?

Detailfrage: Wie werden Planeten gebremst? 11 02. 2020 17:50 #65133

Merilix schrieb: Ja wieviel denn? 2 cm in 100 Mio Jahren? Meinst du das die GW bei Planeten im Abstand mehrerer AE noch Wirkung haben die sich aus dem Rauschen sonstiger Störungen herausheben?

Ich dachte eher an eine Zeitskala von Mrd Jahren.
Für die Erde hatte ich die Abgbe von GW ja erst kürzlich berechnet: 196 W
Für den Saturn bekomme ich nur noch 0,22 W. Das kann man also "vergessen".

Merilix schrieb: Welche kinetische Energie meinst du denn die da "vernichtet" wird? Die Bahnenergie des Planeten? Übt der durch seine Bewegung auf sich selber Gezeitenkräfte aus? Im Erde-Mond System jedenfalls führt die Gezeitenreibung nicht dazu das Erde und Mond sich nähern.

Gezeitenkräfte werden durch den Gradienten des Gravitationsfeldes ausgeübt. Auch diese werden minmal bleiben.
Hier komme ich für den Saturn auf
6,26e+17 N
Allerdings bewirkt dies eine konstante Verformung, solange der Planet nicht "rollt".
Bei einer Bahnänderung um 1 m erhöht sich die Kraft um 693200 N

Bei den Gezeitenkräften geht es um mehrere Phänomene:
wiki: Zusammenfassung der Auswirkungen
* Durch Gezeitenkräfte verformen sich Himmelskörper, sie werden geringfügig auf der Linie durch ihren Schwerpunkt und den des anderen Körpers in die Länge gezogen. Rotiert der Himmelskörper, so wird er dabei „durchgewalkt“, ähnlich wie ein platter Reifen am Auto. Dadurch wird Rotationsenergie in Wärme umgewandelt; die Rotation verlangsamt sich dadurch so lange, bis sich eine gebundene Rotation einstellt. Der Erdmond weist der Erde aufgrund dieses Effektes immer die gleiche Seite zu, und der Erdkern wird erhitzt. Beim Jupitermond Io sind es Gezeitenkräfte, die die Wärmeenergie für den Vulkanismus bereitstellen.
* Die Verformung des Erdkörpers ist gering, dagegen ist die Auswirkung auf das beweglichere Wasser an seiner Oberfläche deutlich. Es entstehen die maritimen Gezeiten, woher der Name Gezeitenkraft stammt.
* In Doppelsternsystemen können Gezeitenkräfte einen Materiefluss von einem Stern zum anderen verursachen, was in bestimmten Fällen zu einer Supernova (Typ 1a) führen kann.
* Sind die Gezeitenkräfte stärker als die Kräfte, die ein Objekt zusammenhalten, so können sie auch zum Zerreißen des Objekts führen, so geschehen beim Kometen Shoemaker-Levy 9 (siehe Roche-Grenze).

Ich sprach von der ersten Variabte, bei Mond-Sonne geht es wohl eher um die zweite Variante.
Aber ob dies nennenswert zur Bahnänderung beiträgt, ist zu bezweifeln.

wiki:
Der mittlere Erde-Mond-Abstand wächst aufgrund der Gezeitenreibung jährlich etwa um 3,8 cm (siehe Lunar Laser Ranging). Dabei wird Drehimpuls (hauptsächlich) der Erdrotation in Bahndrehimpuls verwandelt (hauptsächlich des Mondes, siehe Tabelle).
Als der Mond noch flüssig und der Erde viel näher war, bremste umgekehrt das Feld der Erde die Rotation des Mondes schnell bis zur gebundenen Rotation.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Detailfrage: Wie werden Planeten gebremst? 11 02. 2020 20:45 #65139

Peter Paul schrieb: Vielleicht würde, könnte er ein klärendes Wort zu der Diskussion meiner kleinen "Detailfrage" beitragen wollen, wenn er davon wüsste.

Wikipedia könnte da schon helfen .
de.wikipedia.org/wiki/Migration_(Astronomie)

Arten planetarer Migration

Die verschiedenen Arten der Migration werden von den meisten Astronomen in drei Typen eingeteilt:
Typ 1
Das Objekt (Planetesimal oder Planetenembryo) interagiert mit seinen selbst verursachten Dichtewellen, die entstehen, weil sich das umgebende Gas mit einer höheren Geschwindigkeit bewegt als der Keplerschen Umlaufgeschwindigkeit. Dies beschleunigt das Gas aufgrund der gravitativen Wirkung des Protoplaneten und es entstehen Druck- und Dichtewellen, die sich mit dem Protoplaneten bewegen. Wegen der Asymmetrie auf der sternabgewandten bzw. -zugewandten Seite resultiert dies in einer Nettokraft auf den Planeten, der seine Bahn verändert.

Typ 2
Protoplaneten öffnen durch Akkretion umliegender Materie eine Lücke in der Gasscheibe, es entsteht eine Region geringerer Dichte in der „feeding zone“ des Planeten. Der Protoplanet wird in dieser Lücke eingeschlossen. Da sich das Gas im Verlauf des Planetenentstehungsprozesses nach innen bewegt, folgt die Lücke nach und der Protoplanet migriert nach innen.

Typ 3
Instabilitäten in der Planetenscheibe (Wechselwirkungen zwischen den Planeten) führen zu einer Bahnabweichung innerhalb weniger Umläufe des Planeten.

Wenn ein Planet oder Planetesimal seine Bahn zu sehr ändert und dem System verlorengeht (also das Sonnensystem verlässt oder infolge der Verlangsamung der Umlaufgeschwindigkeit einwärts migriert und dem Stern/Protostern zum Opfer fällt), nennt man dies „violent migration“.


Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Detailfrage: Wie werden Planeten gebremst? 12 02. 2020 10:32 #65156

Vielen Dank für den Hinweis auf den sehr informativen Artikel. Aber es bleiben für mich, gerade hinsichtlich der Migrationstypen noch Fragen offen:

Zu Typ 1:

weil sich das umgebende Gas mit einer höheren Geschwindigkeit bewegt als der Keplerschen Umlaufgeschwindigkeit.

. Ist mit der höheren Geschwindigkeit die ungeordnete Bewegung der Gasatome dank der Temperatur gemeint, oder ihre mittlere Bahngeschwindigkeit in Umlaufrichtung? Ich nehme an, das Letzter, aber dann stellt sich mir die Frage : Warum?

Dies beschleunigt das Gas

In Bahnrichtung oder in welche Richtung? Ist hier mit dem Wort "beschleunigt" das gemeint, was Physiker darunter verstehen. Für die ist ja auch Bremsung eine Beschleunigung, wenn auch eine negative?

Wegen der Asymmetrie auf der sternabgewandten bzw. -zugewandten Seite resultiert dies in einer Nettokraft auf den Planeten

In welche Richtung?

zu Typ 2:

Da sich das Gas im Verlauf des Planetenentstehungsprozesses nach innen bewegt

Ich dachte Eigentlich, dass die Sonne durch ihren Strahlungsdruck das Gas relativ "schnell" aus der Gas-Staubscheibe hinausbefördert. Es bewegt sich also nach Außen. So begründet übrigens Gassner, dass die großen Gasplaneten schon früh entstanden sein müssen, also in einer Phase, wo noch genügende Mengen Gas in der Scheibe anwesend waren.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Seite:
  • 1
  • 2
Powered by Kunena Forum