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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 14 07. 2020 23:42 #72952

Hallo Zusammen,

anlässlich eines Artikels im neuen SuW, August 2020, der diese Überschrift trägt, sehe ich mich veranlasst, dieses Thema zu eröffnen.

Den Artikel findet man unter: www.sterne-und-Weltraum.de/artikel/1743700

Autor ist Victor Comer, ein Physiker russischer Abstammung, der zur Zeit in Bad Honnef arbeitet.

Kernaussage dieses Artikels ist, dass die Gezeiten im Wesentlichen ein Effekt der Inhomogenitäten des Gravitationsfeldes sind. Zentrifugalkräfte spielen hier nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Wenn man ein Gefühl dafür bekommen will, wie stark diese Inhomogenitäten des Gravitationspotentials wirken und eigentlich ausschlaggebend sind, dann sollte man diesen Artikel lesen und auch verstehen.

Wirklich gut, kann ich nur empfehlen!

Trägt auch ungemein bei zum generellen Verständnis von Potentialfeldern.

Thomas
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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 15 07. 2020 10:10 #72960

Thomas schrieb: ... , dann sollte man diesen Artikel lesen und auch verstehen. Wirklich gut, kann ich nur empfehlen! Trägt auch ungemein bei zum generellen Verständnis von Potentialfeldern.


Der Artikel liegt hinter einer Paywall. Außerhalb eines Abonnements kann man gegen Entrichtung einer Gebühr von 5,99€ darauf zugreifen. Vielleicht kann Thomas mit seinen Beziehungen zum Redakteur eine Sonderkondition für das Forum verhandeln :-) ?

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 15 07. 2020 14:14 #72973

Thomas schrieb: Autor ist Victor Comer, ein Physiker russischer Abstammung, der zur Zeit in Bad Honnef arbeitet.

Streichung von mir: Die Abstammung tut doch nichts zur Sache, oder ist es schon wieder so weit? :pinch:

Also sprach das Photon: Wo wir sind ist vorne! Und sollten wir mal hinten sein, dann ist hinten vorne!

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 15 07. 2020 16:17 #72979

Steinzeit-Astronom schrieb:

Thomas schrieb: Autor ist Victor Comer, ein Physiker russischer Abstammung, der zur Zeit in Bad Honnef arbeitet.

Streichung von mir: Die Abstammung tut doch nichts zur Sache, oder ist es schon wieder so weit? :pinch:


Ob jemand Russe ist oder Deutscher oder Amerikaner ist eine Tatsache. Und solange niemand deswegen herabgewürdigt wird, sehe ich darin keinerlei Problem.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 15 07. 2020 16:43 #72982

ClausS schrieb:

Steinzeit-Astronom schrieb:

Thomas schrieb: Autor ist Victor Comer, ein Physiker russischer Abstammung, der zur Zeit in Bad Honnef arbeitet.

Streichung von mir: Die Abstammung tut doch nichts zur Sache, oder ist es schon wieder so weit? :pinch:


Ob jemand Russe ist oder Deutscher oder Amerikaner ist eine Tatsache. Und solange niemand deswegen herabgewürdigt wird, sehe ich darin keinerlei Problem.

Es gibt noch viele andere Tatsachen, die aber nicht erwähnt werden. Die Schuhgröße z.B. ... die ist ebenso bedeutend. Das ist ja das perfide daran. Warum ausgerechnet die Abstammung erwähnen? Die besondere Erwähnung gibt ihr eine Bedeutung (welche auch immer), die hier aber gar nicht angebracht ist. Leute mit komischen Ideologien bestimmen dann die genaue Bedeutung.

Aber lassen wir das. Mir ist es halt ziemlich aufgestoßen. Gerade in Zeiten wie jetzt, wo überall wieder Nationalisten auftreten.

Also sprach das Photon: Wo wir sind ist vorne! Und sollten wir mal hinten sein, dann ist hinten vorne!

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 15 07. 2020 17:38 #72984


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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 15 07. 2020 22:04 #72991

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir dieses Thema dazu nutzen, über die grundlegende Rolle von Gezeitenkräften zu diskutieren.
Am Ende sieht man ganz deutlich, dass Gezeitenkräfte eine Folge von Inhomogenitäten von Gravitationsfeldern sind.

Diesem Abstraktionsprozess gedanklich und anhand vieler Beispiele nachzuvollziehen, ist eigentlich ein intellektueller Hochgenuss.

Bitte lasst uns diese Gedanken ein Stück weit verfolgen.

Habt ihr zB gewusst, dass SL oder Neutronensterne, die kurz vor einem Murger stehen, also kurz vor dem Verschmelzen, ihre Rotationsachsen parallel zueinander ausrichten?
Sie tun das wegen der Gezeitenkräfte, die bei kleiner werdenden Radius eine dominante Rolle einnehmen.

Oder wisst ihr, dass Io, der innerste Mond des Jupiters, der von demselben genauso weit entfernt ist wie unser Mond von der Erde, dass dieser Io einen Flutberg erleidet, der etwa 2km hoch ist. Der wird vom Gravitationsfeld des Jupiters so durchgewalkt, dass er vulkanisch der aktivste Mond des Sonnensystems ist. Und das ist den Gezeitenkräften geschuldet.

Und Gezeitenkräfte folgen in ihrer Stärke und Richtung den Potentialverläufen von Gravitationsfeldern.

Und die sind im Universum nicht immer homogen und symmetrisch.
Sie versuchen zwar, immer homogener und symmetrischer zu werden, werden aber von den Gravitationsfeldern ihrer unmittelbaren Nachbarn daran gehindert. So bleibt immer eine kleine Restauslenkung, die zB. die Bahnexzentritäten nicht null werden lassen und damit Gezeitenkräfte buchstäblich erzwingen.

Die Spagettitfizierung, die ein Freifaller erleidet, wenn er ins SL fällt, ist eine Folge von Gezeitenkräften.

Also wer Lust hat, sich mit diesen Erscheinungen näher zu beschäftigen um an Ende zu begreifen, dass diese Erscheinungen nur die Folgen von Inhomogenitäten von Gravitationsfeldern sind, der ist hier gut aufgehoben.

Bitte in diesem Sinne hier weiter diskutieren.

Thomas
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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 16 07. 2020 13:20 #73005

Thomas,

in Deinem Eröffnungsbeitrag #72952 zu diesem Thread verweist Du auf einen Aufsatz, dessen Inhalt Du hier diskutieren möchtest. Ohne Zugriff auf diese Publikation ist das schwierig. Kannst Du diesen Aufsatz dem Forum zur Verfügung stellen ?

Danke vorab.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 16 07. 2020 22:35 #73047

Gaston,
ne, kann ich leider nicht, da der Artikel nur kostenpflichtig zugänglich ist. Auch Andreas wird daran nichts ändern können.
Deshalb empfehle ich, wer da ein Interesse empfindet, sich die Zeitschrift zu kaufen.

Tut mir leid, da nicht behilflich sein zu können.

Trotzdem sei nochmal die Bemerkung gestattet, dass dieser Artikel von einer solchen abstrakten Schönheit ausgezeichnet ist, dass ich ganz begeistert bin davon.
Das muss nicht für jeden so sein, denn es erfordert doch einiges Hintergrundwissen, um das nachvollziehen zu können.
Gezeitenkräfte sind Inhomogenitäten des Gravitatitionsfeldes.
Das muss man erst mal verdauen und zu begreifen versuchen.

Thomas

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 16:37 #73074

Thomas schrieb: Gezeitenkräfte sind Inhomogenitäten des Gravitatitionsfeldes.


Ich denke Gezeitenkräfte sind einzig dem geschuldet, dass die Stärke der Gravitationskraft mit dem Quadrat der Entfernung abfällt.

Zum Beispiel ist die Gravitation des Mondes auf der ihm am meisten zugewandten Erdseite am stärksten, so dass hier ein Flutberg entsteht.
Ebenso ist die Gravitation des Mondes auf der ihm am meisten abgewandten Erdseite am schwächsten, so dass auch hier ein Flutberg entsteht.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 18:43 #73084

ClausS schrieb:

Thomas schrieb: Gezeitenkräfte sind Inhomogenitäten des Gravitatitionsfeldes.


Ich denke Gezeitenkräfte sind einzig dem geschuldet, dass die Stärke der Gravitationskraft mit dem Quadrat der Entfernung abfällt.

Das kann man schon als Inhomogenitäten bezeichnen. Mir erschließt sich allerdings auch nicht, was es daran zu verdauen gäbe.

GW fallen auch darunter, aber wie das Wort "Welle" schon sagt, ist die Inhomogenität ja gerade das Programm.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 20:39 #73092

Vielleicht zitier ich einen kurzen Abschnitt:

„Die Rotation unseres Heimatplaneten relativ zum Mond bewirkt, dass die Gezeitenkräfte an einem festen Ort der Erdoberfläche zeitlich variieren: Etwa alle 25 Stunden überziehen je zwei Flutberge und zwei Ebbegürtel die Erdoberfläche. Die vom Mond erzeugte Gezeitenbeschleunigung beträgt 10 hoch - 7 der Erdbeschleunigung g. Um diese Winzigkeit zu veranschaulichen: Gehen sie eine Treppe 3 Stufen runter. Ihr Gewicht hat sich um den Faktor 10 hoch -7 vergrößert, da sie sich nun näher am Edmittelpunkt befinden.
Versuchen sie aber bitte nicht, diese Gewichtsänderung zu messen - Sie werden scheitern. Bei solcher Messgenauigkeit werden nämlich viele andere Effekte sichtbar, die man gar nicht sehen möchte. So verlieren sie beim Heruntergehen mehr Gewicht durch Schwitzen. Es gibt kein anderes Beispiel für so einen winzigen Effekt, der im normalen Leben so deutlich wahrgenommen wird.
Der Tidenhub ist proportional zur Größe des Wasserbeckens. Die Natur hat uns also einen riesigen und deswegen sehr empfindlichen Detektor für die sehr schwachen Gezeitenkräfte geschenkt, den Ozean!
Ein Ozean alleine würde natürlich auch nicht ausreichen. Man braucht eine feste Referenz.
Das Vorhandensein von beiden Medien- fester Küste und fließendem Ozeanwasser- die unterschiedlich auf die Gezeitenkräfte reagieren, macht die Wirkung kleiner Kräfte sichtbar“

Ich finde diese Betrachtungsweise sehr gelungen, da man idR so nicht über den Sachverhalt nachdenkt.

Thomas

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 20:55 #73094

Thomas schrieb: Ich finde diese Betrachtungsweise sehr gelungen, da man idR so nicht über den Sachverhalt nachdenkt.

Das ist richtig, die Gezeiten sind nicht vorhersehbar, wenn man nur an diese geringen Gezeitenkräfte denkt.

Es kommt aber eben die Rotation dazu und das bewegliche Medium. Dadurch ergibt sich erst der deutliche Tidenhub von ca 1 Meter.

Und dann kommt noch die Ausformung der Küsten etc dazu, wodurch es lokal sogar zu Pegelunterschieden von ca 10 Metern kommen kann.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 21:45 #73097

Rainer,
jetzt staune doch mal einfach darüber, dass geringe Gezeitenkräfte, sprich geringe Inhomogenitäten des Gravitationspotentials zwischen Erde und Mond und Ausformungen und Beschaffenheit der Erdoberfläche zu solchen Effekten führt.

Um wieviel erstaunlicher muss es sein, wenn man die Gezeitenkräfte nach oben skaliert, sprich sie durch Annäherung zweier massebehafteter Körper an Einfluss gewinnen lässt.

Das zu verstehen ist ja eigentlich mein Anliegen hier.

Thomas

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 22:10 #73101

Thomas schrieb: ... dass geringe Gezeitenkräfte, sprich geringe Inhomogenitäten des Gravitationspotentials zwischen Erde und Mond und Ausformungen und Beschaffenheit der Erdoberfläche zu solchen Effekten führt. [...] Das zu verstehen ist ja eigentlich mein Anliegen hier.


Thomas,

damit auch ich Dein Anliegen bedienen und es verstehen kann, gib mir ein wenig Nachhilfe. Du setzt Gezeitenkräfte mit Inhomogenitäten des Gravitationspotentials zwischen Erde und Mond gleich. Wäre im Umkehrschluss das Gravitationspotential homogen, dann gäbe es keine Gezeitenkräfte ?

Dass die Beschaffenheit des Areals eine Rolle spielt wundert mich jetzt weniger. Am Mont Saint-Michel in der Normandie ist der Effekt besonders spektakulär (Empfehlung: hinfahren !) - im Gegensatz zu meiner Badewanne, dort reißt das Resultat selbst bei Neumond niemanden vom Hocker.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 22:31 #73105

Gaston,
Ja richtig, wenn der Mond viel weiter entfernt wäre, dann wäre sein Gezeiteneinfluss im gleichen Maße geringer..

Die Gezeiten sind die Erscheinungen, die von Inhomogenitäten von Gravitationspotentialen hervorgerufen werden..
Also wenn der Mond mit seinem Gravitationspotential das Gravitationspotential der Erde berührt.

Das ist für die Gezeiten die bestimmende Größe. Zentrifugalkräfte, die durch die Erdrotation verursacht sind, spielen fast keine Rolle.

Ihr Einfluss ist verschwindend gering.

Man muss sich das vergegenwärtigen: der Einfluss der Gravitationspotentiale ist entscheidend. Kräfte nach Newton spielen so gut wie keine Rolle.

Darauf will ich doch hier die ganze Zeit hinaus.

Thomas

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 22:43 #73107

Thomas schrieb: Ja richtig, wenn der Mond viel weiter entfernt wäre, dann wäre sein Gezeiteneinfluss im gleichen Maße geringer..

Newton-Standard. Der Einfluss der Sonne auf die Gezeiten ist ja auch entsprechend geringer.

Thomas schrieb: Zentrifugalkräfte, die durch die Erdrotation verursacht sind, spielen fast keine Rolle.


Die Zentrifugalkräfte spielen nur eine untergeordnete Rolle, das stimmt. Es geht nach meinem Verständnis bei der Beurteilung des Einflusses der Zentrifugalkräfte aber immer um das Baryzentrum, den gemeinsamen Schwerpunkt, um den Erde und Mond rotieren. Er liegt wohl ca. 1.500 km unter der Erdoberfläche. Nicht um die Rotation der Erde um die eigene Achse.

Thomas schrieb: Man muss sich das vergegenwärtigen: der Einfluss der Gravitationspotentiale ist entscheidend. Kräfte nach Newton spielen so gut wie keine Rolle. nDarauf will ich doch hier die ganze Zeit hinaus.


Das Newton hier außen vor sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 22:46 #73108

Thomas schrieb: Rainer,
jetzt staune doch mal einfach darüber, dass geringe Gezeitenkräfte, sprich geringe Inhomogenitäten des Gravitationspotentials zwischen Erde und Mond und Ausformungen und Beschaffenheit der Erdoberfläche zu solchen Effekten führt.

Das "Problem" ist, dass ich als Alpenländler keinen großen Bezug zu Tiden habe.

Wenn ich daher in der Physik an Gezeiten denke, dann ist es für mich die Verformung bzw Erwärmung fester Körper oder die La Roche Grenze bei der Annäherung von zwei Sternen.

Aber man kann schon staunen, dass die feste Erdoberfläche mit der Wasserschicht darauf den Effekt so schön demonstriert, in Fijorden potenziert etc. Allerdings für mich eben eher vom Hörensagen.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 17 07. 2020 23:09 #73117

Gaston,
Newton lebte in einer Vorstellungswelt, die von Kräften bestimmt war.

Wir Heute haben die Vorstellung von Potentialfeldern. Wir können Kräfte in diese Potentialfelder implementieren, dann landen wir bei Newton.
Aber eigentlich haben wir es mit Potentialfeldern zu tun, egal ob im Mikrokosmos oder Makrokosmos. Wir landen immer bei Potentialfeldern, nicht bei Kräften.

Thomas
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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 18 07. 2020 09:36 #73134

gaston schrieb: Du setzt Gezeitenkräfte mit Inhomogenitäten des Gravitationspotentials zwischen Erde und Mond gleich. Wäre im Umkehrschluss das Gravitationspotential homogen, dann gäbe es keine Gezeitenkräfte ?

Richtig.
Eine Inhomogenität kommt schon allein daher das ds Gravitationspotential um einen Körper mit 1/r² abfällt.
Eine weitere (und um die geht es) kommt daher das da zwei Körper sind die jeweils ihre eigenen Gravitationspotentiale haben die sich überlagern.

Richtig ist: in einem homogenen Potential gibt es keine Gezeitenkrägte (und kein 1/r²). Das wäre allerdings nur über einer unendlich ausgedehnten und flachen Masse gegeben -- in Analogon zum elektrischen Potential über einer (hinreichend ausgedehnten) flachen Metallplatte.

assume good faith

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 18 07. 2020 15:06 #73165

Merilix schrieb: Richtig ist: in einem homogenen Potential gibt es keine Gezeitenkrägte (und kein 1/r²). Das wäre allerdings nur über einer unendlich ausgedehnten und flachen Masse gegeben -- in Analogon zum elektrischen Potential über einer (hinreichend ausgedehnten) flachen Metallplatte.

Vergiss nicht das Innere einer Hohlkugel und die flache Raumzeit, auch Lagrangepunkte kommen in Betracht, aber da spielt "meist" auch die Rotation eine Rolle.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 18 07. 2020 18:59 #73193

Hi Thomas,

ich grüße dich wieder (vormals Denobio).

Ich lese den Satz von Victor Gomer in SuW auch: „Die Zentrifugalkräfte……haben allerdings an sich mit den Gezeitenkräften nichts zu tun.“
Wenn man allerdings selbst schon auf diesem Gebiet etwas probiert hat, kann man diesen Satz besser werten.

Schon als Schüler habe ich einmal das Kräftegleichgewicht im Zentrum der frei fallenden Erde um die Sonne ausgerechnet. Schnell kommt man zum Schluss, dass in Richtung Erdbahnradius an der Erdoberfläche ein Überschuß an Gravitationskraft herrscht und am gegenüberliegenden Punkt an der Erdoberfläche ein Überschuss an Zentrifugalkraft. So kommen im Prinzip beide Flutberge Zustande durch eine Abweichung vom Kräftegleichgewicht Gravitationskraft/Zentrifugalkraft.

Das heißt an beiden Punkten ist die Zentrifugalkraft mit der Gravitation nicht im Gleichgewicht. Dieses ist eine feine Erklärung für jeden Schüler wie auch einen Feld-Wald-Wissen- Physiker, dessen Studium lang zurück liegt. So braucht man wirklich die Zentrifugalkraft für das Verständnis von Ebbe und Flut.

Von hier aus ist es ein kleiner Schritt, die Kraftdifferenz als Gradient des Gravitationsfelds über den Erddurchmesser zu verstehen.

Natürlich bin ich auch voll Deiner Ansicht, dass der Artikel in SuW sehr gut gelungen ist.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 18 07. 2020 21:08 #73196

Rainer,
die Lagrangepunkte, L1 - L5 sind Senken oder flache Erhebungen im Gravitationspotential zwischen Sonne und Erde.

Raumfahrzeuge, die man dort dauerhaft halten möchte, müssen hin und wieder ihre Steuerdüsen zünden, aber nicht um eine Zentrifugalkraft auszugleichen, sondern um gravitative Einflüsse der benachbarten Planeten zu korrigieren. In den Potentialsenken sind solche Korrekturen weniger notwendig, auf den Potentialhöhen dagegen schon, denn dort besteht ja permanent der Drang, in die nächste Senke abzudriften.

Thomas

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 18 07. 2020 21:17 #73199

Genobio, vormals Denobio,

nimm Kontakt auf zu Viktor Gomer, Bad Honnef.
Der erklärt dir das.

Thomas

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 18 07. 2020 21:45 #73202

??? Weder hab ich etwas nicht verstanden, noch habe ich eine Frage gestellt.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 18 07. 2020 23:20 #73212

Dann lassen wir es soweit gut sein.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 19 07. 2020 10:55 #73228

So denke ich auch.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 19 07. 2020 22:34 #73259

Kann ein Mond einen Mond haben?

da hab ich heute einen Artikel gelesen im Spektrum unter Freistetters Formelwelt mit dieser Überschrift.

Auffällig war, dass es tatsächlich keine physikalisch begründete Verbotszone gibt, die verhindern würde, dass Monde auch ihrerseits Monde haben könnten.

Da gibt es die sogenannte Hillgrenze. Das ist die Grenze, an der die Gravitationspotentiale zweier Himmelskörper vergleichbar werden. Die liegt zwischen Sonne und Erde etwa bei 1,6 Mio. km im Abstand von der Erde. Unser Mond liegt also mit seinen grob 400.000 km Entfernung locker innerhalb dieser Hillgrenze.

Auch andere Monde, die um unsere Planeten des Sonnensystems kreisen, liegen innerhalb ihrer Hillgrenzen.

Da auch Monde solche Hillgrenzen haben, erstaunt es doch, dass Monde keine Monde haben.

Wer könnte hier der Mondmörder sein? Ich habe einen Verdacht, möchte aber einer angeregten Diskussion nicht vorgreifen.

Thomas

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 19 07. 2020 23:15 #73264

www.zeit.de/2017/12/astronomie-mond-luna...sonnensystem-stimmts
Seine eigene Hill-Sphäre hat einen Radius von nur 60.000 Kilometern (immerhin die größte eines Mondes im Sonnensystem). Da ständig kleinere und größere Brocken die Bahnen von Planeten und Monden kreuzen, wäre es durchaus denkbar, dass irgendwann ein solcher Körper von unserem Mond oder einem der anderen eingefangen wird und dann zu einem Mondmond wird. Aber warum sehen wir keine solchen Objekte im All?

Weil die Monde ihrem Mutterplaneten so nahe sind, dass neben der Bahnmechanik noch andere Kräfte wirken. Der Erdmond etwa beschreibt eine "gebundene Rotation" um die Erde – ihre Gezeitenkräfte haben dazu geführt, dass er uns ständig dieselbe Seite zuweist. Diese Kräfte wirken auch auf jeden seiner Begleiter und bremsen ihn auf Dauer ab. Deshalb wird der Lunar Reconnaissance Orbiter in den nächsten Jahren auf den Mond stürzen, und dieses Schicksal müsste auch jeden natürlichen Begleiter ereilt haben, sofern es je einen gegeben hat.


Ich kenne den Radius wiki: 58000 km und habe selbst einmal berechnet 64500 km. Dies ist auch der Lagrangepunkt zwischen Mond und Erde. Hier wäre er also sowohl zum Mond als auch zur Erde gebunden, also instabil. Es wäre schon schwierig, in dieser kleinen Marge von ca 60000 km ein Objekt überhaupt einzufangen.

Für eine stabile Umlaufbahn sollte der Mondmond also einen deutlich geringeren Abstand zum Mond haben und würde durch die Erde bei jedem Umlauf zuerst beschleunigt, wodurch sich der Bahnradius vergrößert, was wieder bremsend wirkt, und dann wieder von der Erde gebremst, beides nicht gut für eine stabile Umlaufbahn. Die elliptische Bahn würde bei jedem Umlauf noch elliptischer, denke ich, bis er entweder den Mond streift oder den Hillradius verläßt und zur Erde gezogen wird.

Sein LEO rPell = 1800 km > rlun und sein Maximalabstand wäre rAell < L1 = 58000 km. Daraus ergäbe sich sein extremster möglicher Bahnradius
aell < (rPell+rAell)/2 = 30000 km mit
eell = (rAell-rPell)/2 = 28000 km und
bell = ²(rAell*rPell) = 10440 km.

Der stabilste Orbit wäre also r = aell ≈ 30000 km.
Die Geschwindigkeit hierfür wäre
vO = ²(M*G/r) = ²(4902826048783/30000000) = 404 m/s ohne Berücksichtigung der Erde.

wiki:
Meteoroiden, die aus dem Sonnensystem stammen, haben im Bereich des Erdorbits eine maximale heliozentrische Geschwindigkeit von etwa 42 km/s.

Da könnte es schon schwierig werden..... ich könnte noch berechnen, von wo er starten dürfte, wenn er von der Erde eingefangen wird, um diese kinetische Energie anzusammeln, bis er sich in der Nähe des Mondes befindet, das habe ich aber nicht parat. Auch den anfänglichen Stoßparameter (ohne Rotation Mond und Erde) könnte man daraus einfach berechnen. Jedenfalls wäre das Fenster seiner Bahn sicher nicht allzugroß. Sein spezif.Drehimpuls zum Mond wäre jedenfalls ρL = 12120 km²/s.

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Gezeiten im Weltall und auf der Erde 20 07. 2020 00:07 #73268

Wenn das stimmt, was du sagst, dann würden Gezeitenkräfte dafür sorgen, dass es keine Mondmonde geben kann., oder wenn es sie gibt, dann sehr schnell durch Verlust ihres Bahndrehimpulses , verursacht durch Gezeitenkräft, zum Absturz kommen.
Das würde ja bedeuten, dass durch kleinere Skalen die Hillgrenze durch Gezeitenkräfte relaviert wird.

Wie auch immer....
Thomas

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