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THEMA:

Artenschutz 06 10. 2019 10:14 #58418

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Zitat Harald Lesch:
Was ist der Unterschied zwischen einem komplizierten System und einem komplexen System?
Kompliziert ist das Einbahnsystem von Florenz.
Wenn man sich lange genug beschäftigt, kann man dieses System jedoch durchschauen.
Komplex wäre das Einbahnsystem, wenn die jeweiligen Fahrtrichtungen der verschiedenen Einbahnen vom jeweiligen Verkehrsaufkommen abhängig sich ständig ändern würden.
Ein komplexes System kann man nie durchschauen, denn es verhält sich als Vielkörper-Problem.

Jede Diskussion über ein komplexes System würde kein Ende finden.
Das Klima ist ein komplexes System. Jede Diskussion darüber bleibt endlos.

Verschwörungs-Theorie: Diskussionen über das Klima wurden in die Welt gesetzt, um die Bevölkerung von anderen wichtigen Themen fernzuhalten und in eine Endlos-Diskussion hinein zu locken. Ein sehr wichtiges Thema wäre z.B. die der Artenvielfalt. Kurzfristig ein wesentlich wichtigeres Thema als der Klimawandel.

Was ist der Unterschied zwischen dem Rassenwahn des dritten Reiches und des Artenwahn der heutigen Zeit? Was ist eine Herrenrasse? Was ist eine Herrenart?
Vor schon fast 50 Jahren bin ich im Sommer mit dem Auto nach Jesolo gefahren. Dreimal musste ich stoppen, weil die Windschutzscheibe voll verklebt war mit Mücken. Selbst die Scheibenwaschanlage hat das nicht bewältigt. Damals gab es noch einen eigenen Spray, um Scheiben von Mücken zu reinigen. Heute ist es schon eine Ausnahme, wenn im ganzen Sommer eine einzige Mücke auf der Scheibe klebt. Es gibt kaum Mücken mehr. Die "Herrenart" ist gerade dabei, im großen Stil die "minderwertigen Arten" auszurotten. Nur eine "Herrenart" sagt, Mücken sind eine minderwertige Art, die brauchen wir eh nicht. Der Kreislauf der Natur braucht sie, sonst wären sie kein Bestandteil der Evolution.


Es ist wie bei einer Pendeluhr: Es gibt kleine, große, langsame, schnelle, rechtsdrehende und linksdrehende Zahnräder. Und ein Pendel, das sich überhaupt nicht dreht. Ist eines der Zahnräder minderwertiger als das andere? Kann das Pendel sagen, ich bin die Herrenrasse, ohne mir funktioniert die Zeit nicht und die ganzen Zahnräder vernichten. Würde dann die Zeit trotzdem noch angezeigt werden? Es gibt nur eine einzige Herrenrasse und das sind die Naturgesetze, in diesem Fall die Zeit. Die Zeit kann alle Zahnräder und Pendel vernichten, sie wird trotzdem vergehen. Die Zeit braucht niemanden, um zu vergehen. Wir aber brauchen alles in der Natur, um zu leben, auch die Mücken, denn wir sind ein Bestandteil der Natur.

Um es esoterisch zu sagen: Wenn wir die Mücken komplett vernichten, kommen sie wieder, aber nicht mehr als Mücken, sondern als Virus. Die Natur kennt in seiner Gesamtheit keine Ungerechtigkeit. Alles gleicht sich irgendwann ungefähr wieder aus. Die Mühlen der Natur mahlen langsam, aber sicher. Da fährt die Eisenbahn drüber.
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Artenschutz 06 10. 2019 12:40 #58429

Ich denke, dass der Mensch Arten wie Mücken nicht gezielt aktiv ausrottet. Er gestaltet für sich den Lebensraum Erde mehr und mehr für seine aktuellen Bedürfnisse um und kümmert sich nicht/wenig um die Arten, die dadurch Probleme bekommen.

Klimaschutz und Artenschutz sehe ich nicht als voneinander unabhängig, da ein Klimawandel auch die Artenvielfalt bedroht (offensichtlichstes Beispiel derzeit die Korallenriffe).

Die Entstehung/Verbreitung von Humanviren hat denke ich mit der großen Zahl an Menschen zu tun, aber nichts mit der Dezimierung von Stechmücken. Im Gegenteil, eine komplette Ausrottung von Stechmücken würden Viren eine wichtige Verbreitungsmöglichkeit nehmen.


Moderatoren Hinweis

Vergleiche mit dem 3. Reich finde ich nicht gut. Daher nenne ich den Thread in Artenschutz um (hoffe, das trifft dein Anliegen und ist für dich ok).

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Artenschutz 06 10. 2019 15:24 #58439

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Schon Frederic Vester hat in den 80-ern immer wieder darauf hingewiesen, dass, wenn wir nicht bald anfangen, vernetzt zu denken und zu handeln, wir große Probleme bekommen werden!

Der Psychologe Dietrich Dörner veröffentlichte 1989 seine Forschungsergebnisse unter dem Titel „Logik des Misslingens – Strategisches Denken in komplexen Situationen“ mit folgendem Ergebnis: „In komplexen und dynamischen Handlungssituationen macht unser Gehirn Fehler: Wir beschäftigen uns mit dem ärgerlichen Knoten und sehen nicht das Netz. Wir berücksichtigen nicht, dass man in einem System nicht eine Größe allein modifizieren kann, ohne damit gleichzeitig alle anderen zu beeinflussen“.

Die zwei anderen von ihm zur Illustration gewählten Beispiele sind die Tanaland- und Lohhausen-Computer-Simulations-Experimente. Sie zeigen konkret im Kontext politischen Handelns die Begrenztheit der kognitiven Fähigkeiten – die fatale Folgen hat! Tanaland war der Sahel-Zone nachempfunden, Lohhausen einer Kleinstadt. Die Versuchspersonen sollten innerhalb einer Zeitperiode (10 Jahre im Zeitraffer) die Geschicke des Landes/der Kommune lenken. Die Ergebnisse waren katastrophal, besonders in Tanaland, wo nach dem zunächst sprunghaften Anstieg der Lebensqualität fatale Hungersnöte und andere Katastrophen ausbrachen. Am Ende stand Tanaland schlechter da als zuvor, die Bevölkerung war dezimiert. Stellt man die Ergebnisse graphisch dar, so ähneln sie dem steilen Anstieg einer Aktie mit anschließendem Crash.

Wenn vor allem politische Entscheidungsträger versuchen, die Ökonomie und die Geldvolumina zu steuern, destabilisieren sie jedesmal ein bisschen das komplexe System, das summiert sich. Und solange die Kriterien dieser Steuerung nicht nach den Resultaten der Komplexitätslehre, sondern nach kurzfristig-bornierter Profitmaximierung ausgewählt werden, wird sich nichts ändern!
Bei Analysen von Handlungen in komplexen Situationen zeigt sich immer wieder, dass sie einfach überfordert sind, vernetzte, intransparente und dynamische Systeme zu durchschauen.

James Dean lässt grüßen: „…denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung, denn nichts ist so beständig wie der Wechsel wobei die schönste Harmonie durch Zusammenbringen der Gegensätze.entsteht. - Heraklit -

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Artenschutz 06 10. 2019 17:15 #58444

badhofer schrieb: Wir aber brauchen alles in der Natur, um zu leben, auch die Mücken, denn wir sind ein Bestandteil der Natur.


Wozu werden denn Mücken gebraucht? Das frage ich mich schon lange. Ausser dass sie irgendeine evolutionäre Nische besiedeln, habe ich noch keinen Sinn in diesen Nervensägen gefunden. Falls nun das Argument Vogelfutter kommt, die wären mit ein paar Fliegen mehr, besser bedient.

"`Oh dear,' says God, `I hadn't thought of that,' and promptly vanished in a puff of logic.

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Artenschutz 06 10. 2019 18:38 #58452

derwestermann schrieb:
Wozu werden denn Mücken gebraucht?

Ich nehme mal an, dass die Natur die Mücken braucht, um das Gleichgewicht in ihrem Kreislauf aufrechtzuerhalten.

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Artenschutz 06 10. 2019 21:40 #58462

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derwestermann schrieb: Wozu werden denn Mücken gebraucht? Das frage ich mich schon lange. Ausser dass sie irgendeine evolutionäre Nische besiedeln, habe ich noch keinen Sinn in diesen Nervensägen gefunden. Falls nun das Argument Vogelfutter kommt, die wären mit ein paar Fliegen mehr, besser bedient.

Ich kann nicht glauben, was du da schreibst! Dass du offensichtlich die Prinzipien der Natur nicht kapiert hast, verleitet mich zu der Gegenfrage:
Wozu brauchen wir einen Westermann ... ?

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Artenschutz 06 10. 2019 21:50 #58464

Ich würde jetzt der Mücken wegen keine Streit vom Zaune brechen wollen.
Wer mal in Sibieren im Sommer war, weiß, dass er sich um ihre Existenz keine Sorgen machen braucht.
Hab einige Jahre im Ural also ander Grenze zu Sibieren gearbeitet.
Unerträglich für alles was warmblütig ist und sich in den Wäldern bewegen muss.

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Artenschutz 06 10. 2019 22:44 #58465

@Brooder
Die Funktion, die die Mücken in Sibirien erfüllen, erfüllen sie bei uns nicht mehr. Niemand weiß, was das für Konsequenzen hat.
Nur, weil einem etwas stört, heißt es nicht, dass es besser wäre, wenn das nicht mehr da ist. Mein Hintern stört mich auch, weil da stinkts manchmal raus, angeblich ist das nicht nur bei uns Österreichern so :( , trotzdem erfüllt er seine Funktion. Oder der Schmerz, der stört jeden. Ohne Schmerzen würden wir verbrennen, wenn wir uns irrtümlich auf eine heiße Ofenplatte setzen, weil wir es gar nicht merken. Also, alles hat seine Funktion, auch das, was uns stört. Und mit dem Tempo, mit dem wir momentan die Artenvielfalt reduzieren, wird sich das eines Tages bemerkbar machen. Mit der letzten Biene stirbt angeblich auch der Mensch.

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Artenschutz 06 10. 2019 23:15 #58468

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Brooder schrieb: Ich würde jetzt der Mücken wegen keine Streit vom Zaune brechen wollen.
Wer mal in Sibieren im Sommer war, weiß, dass er sich um ihre Existenz keine Sorgen machen braucht.
Hab einige Jahre im Ural also ander Grenze zu Sibieren gearbeitet.
Unerträglich für alles was warmblütig ist und sich in den Wäldern bewegen muss.

Es geht nicht um die Mücken, sondern um die Einstellung. Bei dem einen sind's die Mücken, beim nächsten die kläffenden Hunde, beim dritten plärrende Kinder...
Wenn wir grundsätzlich mehr Achtung vor den Schöpfungen der Evolution hätten, sähe einiges anders aus.

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Artenschutz 07 10. 2019 09:44 #58475

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Artenschutz 07 10. 2019 12:12 #58481

Ist Euch schon einmal der Gedanke gekommen, dass der Beitrag von Brooder mit den Mücken mit einem gewissen Augenzwinkern gemeint war. Wer Brooder kennt, wird doch wissen, dass er gerade solche ethischen Vorhaltungen nicht braucht.
Bei der ganzen Aufregung ist mir ein alter Witz eingefallen: Ein Mann geht durch die Savanne und wird von einer Gruppe Löwen eingekreist. Bevor er vor Angst in Ohnmacht fällt, betet er, dass der Herr diese Löwen zu Christen macht. Als er wieder erwacht, sitzen die Löwen um ihn herum und beten: Komm, Herr Jesus Christ sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.
Das Witzchen ist hinsichtlich der Aufregung signifikanter als man denkt, angesichts der merkwürdigen Exkursion hier.


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Artenschutz 07 10. 2019 12:22 #58482

Sardon schrieb:
Es geht nicht um die Mücken, sondern um die Einstellung. Bei dem einen sind's die Mücken, beim nächsten die kläffenden Hunde, beim dritten plärrende Kinder...


Mir ging es darum, wie persönlich du auf derwestermann Beitrag geantwortet hast.
Das was du in diese Antwort hineininterpretierst, war sicherlich nicht von ihm gemeint.

Diagnostiker hat ziemlich gut ausgedrückt um was es geht.

Mal ein Vorschlag für den Insektenschutz allgemein.
Das wir damit in Mitteleuropa ein Problem haben ist für mich klar.
Wenn es gelingen würde ca. 15-20 Prozent der bestellten Ackerfläche im Rotationsprinzip einige Jahre brach liegen zu lassen und sich natürlich entwickeln zu lassen, dann würden wir wahrscheinlich Oasen für die Entwicklung der Insektenpopulationen schaffen.
Gerade Bienen und andere bestäubende Insektenarten würden sich wohl sehr schnell wieder erholen können.

Ich wohne in Mecklenburg. In den 90iger Jahren konnte man sehr gut beobachten was dann passiert.
Um damals eine Überproduktion von Lebensmitteln und damit einen Preisverfall zu vermeiden, wurde es damals subvensioniert, Ackerflächen brachliegen zu lassen. Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sich aus diesen Flächen oftmals herrliche Wiesenflächen voller Blumenteppichen. Einfach ein phantastischer Anblick.
Nachdem die Biodiesel- bzw. Biogaserzeugung staatlich stark subvensioniert wurde, war es auf einen Schlag vorbei.
Die Böden werden nun wieder auf Teufel komm raus bewirtschaftet und ausgebeutet. Keine Chancen für Blumenteppiche mehr.
Mais- und Rapsfelder sind das Dominante. Das sind aber tote Wüsten für Insekten.
Raps blüht nur einige Wochen, den Rest des Jahres haben Insekten dort nichts zu finden. Zur Ernte wird er dann auch noch mit Unkrautvernichter behandelt, damit er vertrocknet und besser geerntet werden kann.

Fazit:
auch Subvensionen die für´s nichtbewirtschaften von Böden ausgegeben werden, können einen großen Nutzen haben.
Für die Natur sind bzw. waren sie ein Segen.

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Artenschutz 07 10. 2019 14:30 #58494

Diagnostiker schrieb:
Grundsätzlich ist Leben ohne Töten von anderen Lebwesen nicht zu haben.

Das war aber nicht immer so. Die überwiegende Zeit war das Leben nicht auf das Töten anderem Leben angewiesen. Auch Mehrzeller konnten leben, ohne anderes Leben zu töten. Irgendwann muss dann etwas passiert sein, dass sich das geändert hat. Gibt es da irgendwelche Informationen darüber, in welcher Phase der Evolution das geschehen ist und was da passiert ist?

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Artenschutz 07 10. 2019 15:16 #58499

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Artenschutz 07 10. 2019 17:58 #58510

Diagnostiker schrieb:
Summa summarum: Es spricht nichts dagegen, dass das gegenseitige Gemetzel und das sich daraus entwickelnde "Wettrüsten" von Jagd- und Verteidigungsmechanismen so alt ist wie die Evolution selber.

Sehr interessant. Wenn das gegenseitige Gemetzel von Anfang an die Evolution dominierte, dann ist dieses Gemetzel vielleicht die Evolution. Das Leben hat sich nur deshalb ausgebreitet, um dem Gemetzel zu entfliehen. Vom Wasser an Land und in die Luft. Heute drängt das Leben in den Weltraum, um dem Gemetzel auf der Erde zu entfliehen. Das würde die Frage beantworten: "Was ist Evolution". Antwort: "Evolution ist die Flucht vor dem gegenseitigen Gemetzel.

Na ja, nur so ein Gedanke. Etwas schräg denken ist nun mal meine Leidenschaft.
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Artenschutz 07 10. 2019 18:21 #58512

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Artenschutz 07 10. 2019 18:35 #58516

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Brooder schrieb:

Sardon schrieb:
Es geht nicht um die Mücken, sondern um die Einstellung. Bei dem einen sind's die Mücken, beim nächsten die kläffenden Hunde, beim dritten plärrende Kinder...

Mir ging es darum, wie persönlich du auf derwestermann Beitrag geantwortet hast. Das was du in diese Antwort hineininterpretierst, war sicherlich nicht von ihm gemeint.

Verstehe. Mir ging es darum, ihm einen Spiegel vorzuhalten; vllt. hat er es nicht so gemeint, dennoch finde ich, so eine Gedankenlosigkeit darf man nicht unkommentiert lassen.
Es gibt kaum noch eine frei lebende Tierart, die nicht von der menschlichen Ausrottung bedroht ist. Es wird das von den Tieren geholt, was uns nützlich ist, Stoßzähne, Nasenhörner, etc., den oft noch lebenden Rest lassen wir verenden, weil er nicht mehr „gebraucht“ wird.

Ich habe mir mal auf Einladung einer Tierrettungsorganisation die sog. Gallefarmen in Vietnam angesehen, wo Bären gehalten werden, denen ihre Galle abgezapft wird, weil sie Heilwirkung hat, obwohl der Wirkstoff synthetisch hergestellt werden kann. Was ich da gesehen habe, hat mir wirklich die Tränen in die Augen getrieben – und nicht nur mir!
Es werden dort Bären in engen Käfigen gehalten um ihnen jeden Tag ihre Galle mit daumendicken Punktiernadeln ohne Narkose und ohne hygienische Maßnahmen abzuzapfen; die Bären schreien vor Schmerzen, viele haben dicke eitrige Abszesse, die nicht behandelt werden; die Tiere dürfen sich nicht bewegen, bekommen weder Auslauf noch gescheites Grünfutter, weil das die Qualität der Galle beeinflusst. Einer Bärin wurden die Vorderpfoten abgeschnitten, weil irgendein reicher Arsch auf Bärentatzensuppe stand! Die Bären liegen völlig apathisch im eigenen Kot und Urin, keiner macht die Käfige mal sauber. Es ist ein unvorstellbares Leid und diese Gallebären sind nicht die einzigen Tiere, die Tag für Tag gefoltert werden, weil irgendetwas „Nützliches“ an ihnen ist. Wer das einmal live mitbekommen hat, könnte wirklich verzweifeln am Homo Sapiens!

Wenn ich dann solche Sätze höre, wie „wozu sollen die denn gut sein?“, dann hakt’s bei mir einfach aus!
Also westermann: nichts für ungut! Dein Satz war der Auslöser, aber ich konnte ihn auch nicht so stehen lassen.

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Artenschutz 07 10. 2019 19:11 #58520

Hi Diagnostiker,

Du schriebst: Summa summarum: Es spricht nichts dagegen, dass das gegenseitige Gemetzel und das sich daraus entwickelnde "Wettrüsten" von Jagd- und Verteidigungsmechanismen so alt ist wie die Evolution selber.

Ich glaub das könnte gut sein. Es hat sich dann aber auch ein Gegenmechanismus gebildet der die Evolution (was Leben angeht)
vorantrieb und ganz wichtig ist: Die Symbiose....

Ich wollte eigentlich noch mehr darüber schreiben aber dann hab ich Sardons Beitrag oben drüber gelesen
und mir kamen die Tränen. Bin so tierlieb und kann nicht verstehen wie Menschen Tieren sowas antun können.
Ich verstehe es nicht, was ist nur los mit uns???
LG

Einszweidrei, im Sauseschritt ! Läuft die Zeit; wir laufen mit (Wilhelm Busch)
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Artenschutz 07 10. 2019 19:19 #58522

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Was ist nur los mit uns?
Eine völlig in die Irre getriebene Wertvorstellung hat den machthabenden Teil der Menschheit erblinden lassen.
Und wir haben das zugelassen
Aber langsam.erkennen wir.

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Artenschutz 07 10. 2019 21:23 #58533

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Oh Mann, Sardon,
dein Beitrag hat mir jetzt aber auch die Tränen kommen lassen! Das ist einfach unfassbar! Und es gibt -zig von diesen Farmen mit mehreren 1.000 Bären!!!
Ich habe mal gegoogelt und ich habe es ehrlich gesagt nicht ausgehalten, mehr als drei Bilder anzusehen! Was sind das nur für Menschen!
Und du hast dir das live angeschaut. Wie lange hast du nachts noch die Schreie gehört? Was habt ihr da gemacht?

trieste groetjes
Cosma

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Artenschutz 07 10. 2019 21:28 #58534

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Artenschutz 07 10. 2019 21:50 #58536

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Cosma schrieb: Oh Mann, Sardon,
dein Beitrag hat mir jetzt aber auch die Tränen kommen lassen! Das ist einfach unfassbar! Und es gibt -zig von diesen Farmen mit mehreren 1.000 Bären!!!
Ich habe mal gegoogelt und ich habe es ehrlich gesagt nicht ausgehalten, mehr als drei Bilder anzusehen! Was sind das nur für Menschen!
Und du hast dir das live angeschaut. Wie lange hast du nachts noch die Schreie gehört? Was habt ihr da gemacht? trieste groetjes Cosma

Hallo Cosma,
ja, es war schlimm - aber auch wieder gut, weil wir die Bärin mit den abgeschnittenen Pfoten nach 10 Jahren (!) Folter da rausgeholt haben.
Sie heißt Hain Chan ("die auf zwei Beinen laufen kann"), lebt jetzt im Bärengehege Ninh Binh und hat sich prächtig erholt.
s14-eu5.startpage.com/cgi-bin/serveimage...1ef&anticache=874075

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Artenschutz 07 10. 2019 23:24 #58542

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Sardon schrieb: ... weil wir die Bärin mit den abgeschnittenen Pfoten nach 10 Jahren (!) Folter da rausgeholt haben.


Hallo Sardon,

Du hast allergrößten Respekt verdient ! Ich könnte schon wieder Erich Kästner zitieren ...

Gruß
CB

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(Alexander von Humboldt 1769 - 1859)
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Artenschutz 08 10. 2019 08:17 #58545

Diagnostiker schrieb:
Die Gleichgewichte verschieben sich, und was das für Folgen für die Stabilität der Zivilisation hat, werden wir schon sehr bald feststellen

Also, ich bin ein sehr ruhiger Mensch. Ich rede wenig, lese lieber, höre lieber zu und beobachte gerne und mach mir daraus meine Gedanken. Und, alles, was ich da so beobachte in letzter Zeit lässt in mir das Gefühl aufkommen, dass sich die Ereignisse sehr bald überschlagen werden.

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Artenschutz 08 10. 2019 10:12 #58549

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Artenschutz 08 10. 2019 11:56 #58560

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Diagnostiker schrieb: Das ist die drastische Variante der Auswirkung des Nutzenkalküls, welches auf Lebewesen angewandt wird. Andere drastische Auswirkungen sind die oft ebenso tränenreizenden Nebenwirkungen der Massentierhaltung zur Deckung des Bedarfs an Fleisch und Eiern. Und dieses Nutzenkalkül speist sich aus der Kapitallogik: Wo investiere ich wieviel Geld, um noch mehr Geld zu verdienen? Bärengalle bringt dem Verkäufer derselben mehr Geld ein als er für die Aufrechterhaltung der reinen Lebensfunktionen des Bären investieren muss.

Das ist in diesem Kontext zwar eine sehr nüchterne, aber voll zutreffende Analyse!
Tier sind für die Fleischindustrie mittlerweile nichts anderes als Rohstoffe: Massenhaltung, Massentötung, wobei es nie gelingt, dass wirklich alle Tiere getötet werden, sodass einigen bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wird - aber was soll's, ist ja nur Rohstoff! Die damit einhergehende Verrohung interessiert auch keine "Sau".
Hinter der unerbittlichen Logik der Kapitalverwertung lauert das Monster des exponentiellen Wachstums und jede Physikerin (und hier gerade unsere allseits beliebte Bundescancelin) weiß, dass exponentielles Wachstum jedes System zum Kollaps bringt (zB. Krebszellen) und bereits eine jährliche Wachstumsrate von ca. 2% schlägt in exponentielles Wachstum um. Die periodischen Wirtschaftskrisen werden immer gern als das Werk raffgieriger Manager dargestellt, damit keiner auf die Wahrheit kommt, dass sie systemimmanent sind. Der drohende Supergau-Kollaps wird dann immer noch durch gesteuerte Kapitalvernichtung abgewendet - "Marktbereinigung" nennen das Berufszyniker; dass da durch die Arbeitslosigkeit ganze Familien in existentielle Not getrieben werden - wen kümmerts? Dafür gibt es bei Amazon ja rabbatierte Angebote.
Es wird daraus hinauslaufen, dass eine Handvoll Giga-Konzerne unser aller Leben ganz subtil bestimmt und steuert.

Der spanische Philosoph Heleno Sana hat es so beschrieben:
"Da die zentrale Motorik der kapitalistischen Gesellschaft in der Vermehrung des Konsums liegt, wird der Mensch ununterbrochen angepeitscht, sich darin aktiv zu beteiligen, ihn als die letzte Motivation seines Daseins zu akzeptieren. Er wird pausenlos angetrieben, Auto zu fahren, Hobbies nachzugehen, Industrieausstellun-gen und Sportveranstaltungen zu besuchen, rund um den Globus zu reisen, auf die Mode zu achten und vor allem zu kaufen, immer wieder zu kaufen, bis er sich ... zu einem Virtuosen im Umgang mit Nichtigkeiten verwandelt " (Dialektik der menschlichen Emanzipation S. 133).

Und weil ich gerade so schön in Fahrt bin, hier noch einer:
" Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens." (K. Marx MEW, Bd. 23, S. 788).

Treffen sich 2 Planeten, sagt der eine: "Mann, siehst du kaputt aus! Was ist los mit dir?" Darauf der andere: "Ich hab den Homo Sapiens!" - "Ah, verstehe, but don't panic - vergeht von selbst"!

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Artenschutz 08 10. 2019 12:20 #58566

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Artenschutz 08 10. 2019 12:46 #58574

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Cosma schrieb: Tier sind für die Fleischindustrie mittlerweile nichts anderes als Rohstoffe: Massenhaltung, Massentötung, wobei es nie gelingt, dass wirklich alle Tiere getötet werden, sodass einigen bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wird - aber was soll's, ist ja nur Rohstoff! Die damit einhergehende Verrohung interessiert auch keine "Sau".

Selbstverständlich gibt es ekelhafte, verabscheuungswürdige und nicht hinnehmbare Zustände in manchen Betrieben der Fleischindustrie. Man darf aber das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Ich bin gerne und oft z.B. im Alpenraum unterwegs und erlebe dort Bauern, die ihre Tiere mit großem Respekt und würdevoll behandeln.
Zyniker (wie ich manchmal) sagen, ich esse nur Fleisch aus Massentierhaltung, damit die Tiere von ihrem Leiden erlöst werden, die glücklich auf der Wiese leben esse ich nicht. Spaßmodus ende.

Cosma schrieb: Es wird daraus hinauslaufen, dass eine Handvoll Giga-Konzerne unser aller Leben ganz subtil bestimmt und steuert.

Genau das ist zu befürchten. Das funktioniert aber nur, wenn sich Milliarden von Menschen diesen "Geiz-ist-geil-"Lebensstil aufdrücken lassen. Wir, die Verbraucher, sitzen an den Hebeln der Macht, das muss uns allen klar sein, und wir stellen die Weichen. Ich weiß auch, dass ich Menschen, die sich am Existenzminimum bewegen, damit nicht kommen muss. Tue ich auch nicht. Aber ich wende mich an die, die es in der Hand haben, ihr Konsumverhalten zu steuern.

Cosma schrieb: Der spanische Philosoph Heleno Sana hat es so beschrieben:
"Da die zentrale Motorik der kapitalistischen Gesellschaft in der Vermehrung des Konsums liegt, wird der Mensch ununterbrochen angepeitscht, sich darin aktiv zu beteiligen, ihn als die letzte Motivation seines Daseins zu akzeptieren. Er wird pausenlos angetrieben, Auto zu fahren, Hobbies nachzugehen, Industrieausstellun-gen und Sportveranstaltungen zu besuchen, rund um den Globus zu reisen, auf die Mode zu achten und vor allem zu kaufen, immer wieder zu kaufen, bis er sich ... zu einem Virtuosen im Umgang mit Nichtigkeiten verwandelt " (Dialektik der menschlichen Emanzipation S. 133).

Vielen Dank für die zahlreichen Leseempfehlungen in diesem Thread, aber mit diesem Zitat von Sana ist alles gesagt. Das trifft den Nagel auf den Kopf.

Cosma schrieb: Treffen sich 2 Planeten, sagt der eine: "Mann, siehst du kaputt aus! Was ist los mit dir?" Darauf der andere: "Ich hab den Homo Sapiens!" - "Ah, verstehe, but don't panic - vergeht von selbst"!

Ich möchte nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass es anders kommt. Aber nochmal: es liegt an uns.

"Alles hängt mit allem zusammen"
(Alexander von Humboldt 1769 - 1859)

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Artenschutz 08 10. 2019 12:46 #58575

Hmm, wenn ich mir hier den Duktus und die Aussagen der Posts anschaue, bin ich doch etwas erstaunt. Im Greta-Thread wird Greta vorgeworfen, dass sie Panik verbreite. Wenn ich mir das hier anschaue, ist die Panik schon für die meisten durchschritten. Aber nicht um über Änderungsmöglichkeiten nachzudenken, sondern um einer gepflegten, bourgeoisen Resignation zu huldigen. Ist das jetzt verantwortungsvoller als Gretas Panik?


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Artenschutz 08 10. 2019 13:47 #58592

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Hier stand mal etwas anderes.

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