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THEMA: Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche

Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 03:24 #29437

Ich möchte dieses Forum heute einmal nutzen, um eine persönliche Sorge zu teilen, welche mich seit einiger Zeit gedanklich beschäftigt. Vorab - ich bin weder Akademiker, noch Inhaber einer Hochschulreife, sondern aufgrund einer Schwerbehinderung seit frühester Jugend laienhafter Autodidakt. Man möge mir deshalb gewisse analytische Mängel nachsehen.

Meine Sorge handelt von der beginnenden Epoche der Künstlichen Intelligenz. Immer häufiger wird über Themen wie Arbeit 4.0 und Digitalisierung debattiert.
Meine Überlegung ist, ob eine autonome Künstliche Intelligenz nach ihrem Wesen überhaupt mit der menschlichen Psyche in der Frage einer tatsächlichen Co-Existenz langfristig kompatibel sein kann?
Erstere erfordert zunächst die Formulierung eines rationalen Gedankens bzw. einer vernünftigen Zielvorgabe, um die Berechtigung ihrer Existenz überhaupt legitimieren zu können. Indes - der Mensch ist eben nicht ein konsequent rational handelndes, sondern fühlendes Wesen. Mehr noch: Wir haben die Mechanismen unserer eigenen Psyche bis heute kaum dechiffriert, kennen nicht genau den prozentualen Anteil von Entscheidungen des freien Willens, wissen nicht einmal ob er tatsächlich existiert.
Ich frage mich diesbezüglich ernsthaft, wie man die K.I. kompatibel mit der menschlichen Psyche gestalten möchte? Wenn beispielsweise Angst primär empfundener Kontrollverlust ist, und Menschen nicht immer rational agieren, wie kann eine autonome Künstliche Intelligenz dann empathisch reagieren, insbesondere in Bereichen in denen der Mensch die Erfolgsstrategien der K.I. nicht mehr nachvollziehen kann? Blödes Beispiel der Gegenwart: Der menschliche Patient A hat eine Zahnarztphobie, getriggert aus den negativen Meta-Signalen einer traumatisierten Mutter, und einem frühen negativen persönlichen Erlebnis. Die Analyse aller Parameter läßt die K.I. aber entscheiden, dass es für die weitere gesundheitliche Entwicklung dieses Patienten notwendig und vernünftig ist, die Wurzel seines entzündeten Backenzahnes noch heute zu extrahieren. Wird der Patient dann nach den Regeln der Vernunft zwangstherapiert, oder würde diese Maschine die Unvernunft der Befürchtungen in ihre Reaktion implementieren können? Wie sieht es bei einer Heroinsucht aus? Wie sieht es aus der Betrachtung einer höheren Ebene aus, wenn die Maschine zusätzlich erkennt, dass die Duldung der Heroinsucht des Patienten eine - wenn auch prozentual geringe - wirtschaftliche Belastung für ein Unternehmen wie Google bzw. das Kollektiv anderer Menschen darstellt? Würde ein Panic Button der K.I. dann auch sowohl gegen die Regeln der Rationalität, als auch den ökonomischen Interessen des Mutterkonzernes konzipiert werden können? Wie sieht es denn dann bei dem Konsum von herkömmlicher Schokolade aus? Was wird hier die Grenze unserer eigenen Freiheiten darstellen, wenn wir das Denken zunehmend an K.I. übertragen? Werden wir uns evolutionär betrachtet schnell genug an den zunehmenden persönlichen Kontrollverlust zu Gunsten von Entscheidungen auf der Grundlage der Stategien von K.I. adaptieren können, oder droht eine zunehmende kollektive Verängstigung?
Müsste für die Gewährleistung echter Empathie nach dem Vorbild der Nicht-Perfektion der menschlichen Psyche, nicht eine K.I. ebenso mit einer hohen, emotional begründeten, menschenähnlichen Fehlertoleranz konzipiert werden?
Noch einmal zur Erinnerung: Der echte gewünschte Vorteil der K.I. liegt in der Entwicklung von innovativen Erfolgsstrategien, welche unseren eigenen Überlegungen im Faktor X überlegen sind.
Schon alleine aus dem Grund kann es uns aus dem anvisierten Wesen der K.I. heraus doch gar nicht möglich sein, zukünftige diesbezügliche Konfliktpotentiale abzuschätzen, da die K.I. neue Rahmenbedingungen schafft, deren Existenz wir uns mit unseren begrenzten intellektuellen Fähigkeiten heute nach der Natur der Sache gar nicht vorstellen können. Das ist wirklich per Definition ein nicht zu kalkulierendes Risiko, und uns bleibt für die Entscheidung des Willens diese Technologie zu zulassen vielleicht nur ein kleines Zeitfenster von etwa 30-40 Jahren bis irreversible Bedingungen erschaffen werden. Ausserdem würde der Verzicht auf diese Technologie den einmündigen Willen der gesamten Menschheit zur Abkehr vom Effizienzkonzept erfordern.
Was ist Erfolg überhaupt genau? Was ist Genuß? Ist Genuß Erfolg, oder kann Genuß auch Unvernunft sein? Wieviel Unvernunft ist ethisch tolerierbar? Wieviel Unvernunft muss ethisch gewährleistet bleiben? Was ist Glück? Führt die Erfüllung aller empfundenen Bedürfnisse zu Glück oder zu Depression? Braucht der Mensch den Mangel und den Konflikt, um Glück empfinden zu können?
Ich gehe einen Schritt weiter, und behaupte dass auch Unwissenheit zu Glück führen kann. Beispielsweise kann ein Mensch bei einer sehr progressiven Krebserkrankung vielleicht im Nichtwissen der Untherapierbarkeit und zweifellosen Mortalität einer Erkrankung noch drei glückliche Monate erLEBEN. Was wird mit unserer Psyche geschehen, wenn die ungehemmte Big Data Parameteranalyse von autonom operierenden K.I. uns solche trügerischen Hoffnungen nehmen werden? Letztendlich ist der Begriff der Hoffnung in einem determinierten Universum immer an die Unkenntnis der Ganzheit aller Parameter, Faktoren und ihrer Kreuzwirkungen geknüpft. Vermutlich wird es nach den Gesetzen der Quantenphysik dann noch immer Zufälle und Überraschungen geben, aber ich weiß, dass es sehr viel weniger Zufälle und Überraschungen sein werden.
Und wie wird sich unser Selbstbild entwickeln, beispielsweise bei zukünftigen Generationen, wenn wir zunehmend fremdbestimmt werden? Wenn unsere Mechanismen der Selbsttäuschung immer häufiger mit den harten Fakten von K.I. Analysen konfrontiert werden, erst recht wenn wir diese Analysen selber intellektuell kaum noch nachvollziehen können werden? "Meine Big Data Analyse hat ergeben: Bitte verlassen Sie nun Ihre Familie. Sie selber werden den Verlust mental überstehen, aber Ihre Frau und Ihre beiden Kinder werden in fünf Jahren mit dem neuen - von mir selektierten - Partner Ihrer Frau sehr viel glücklicher sein als jetzt." "Das werde ich nicht machen." "Ich werde Ihre Entscheidung akzeptieren, allerdings wurden die Prämien Ihrer Rechtsschutzversicherung gerade um 23% erhöht." oder "Meine Big Data Analyse hat ergeben, dass Ihrem Ehemann, die von mir berechnete, neue optimale Frisur nicht zusagt. Er hat zwar das Gegenteil behauptet, zeigte aber die typischen Mimiken und vegetativen Reaktionen bei unterdrücktem Ekel." (Libratus kann ja jetzt schon Bluffs identifizieren.) Wie wichtig sind Lügen und Un- respektive Halbwahrheiten eigentlich für unser Zusammenleben? Religiöse Normen haben wir ja diesbezüglich selten konsequent befolgt.

Wenn Libratus aber schon heute die Täuschungsmanöver professioneller Pokerspieler entlarven kann, wieviel Disziplin würde es dann erst erfordern, solche Analysen nicht zum eigenen Vorteil einzusetzen, zum Beispiel aus ökonomischen Interessen, oder um eigenen Schaden abzuwenden?

Man spricht auch davon, dass die Versicherungswirtschaft als einer der ersten Branchen digitalisiert und automatisiert wird. (laut McKinsey)
Müsste man dann aber nicht auch in den entsprechenden Sourcecode der Software die standardmäßige Ablehnung von berechtigten Leistungsansprüchen implementieren, wie sie in der Versicherungsökonomie häufig praktiziert wird? Heute passiert es regelmäßig, dass berechtigte Leistungsansprüche von Versicherten durch instruierte Sachbearbeiter verschleppt, oder abgewiesen werden. Beispielsweise werden die physischen Folgen eines Verkehrsunfalles prophylaktisch bezweifelt, und eine Vorschädigung angenommen, um Ansprüche abzuwehren. Bei einer Software müssten solche ökonomischen Strategien dann aber in den Algorithmus integriert werden, was wiederum bei einer Publikation eine solche unethische Handlungsweise belegbar machen würde. Weiterhin müsste eine diesbezügliche K.I. frei von emotionalen Skrupeln mit der alleinigen rationalen Zielvorgabe der Gewinnschöpfung der Versicherungswirtschaft konzipiert sein. Könnten autonome K.I. nicht auch zu einer Renaissance der Euthanasie führen? Würden autonome K.I. irgendwann tendenziell eher sozialdarwinistisch entscheiden und agieren, oder die Schönheit der Nicht-Perfektion von Lebewesen als eigenständigen Wert diametral zu den Gesetzen der Ästhetik und dem Ideal von Gesundheit anerkennen können? Und solche Fragen führen auch sofort als Feedback in die Gegenwart zurück. Entscheiden wir uns nämlich langfristig für eine genetisch optimierte Fortpflanzung, dann müssten wir auch begründen, warum wir derartige Entscheidungen nicht schon jetzt treffen. Mich gäbe es dann nicht, denn meine Krankheit resultiert aus genetischen Anomalien. Wieviel Dominanz wollen wir einer uns geistig überlegenen Spezies gestatten, und entzieht sich uns diese Kontrolle nicht irgendwann aus der Natur der Sache heraus ohnehin mit hoher Wahrscheinlichkeit?
Welche Schlußfolgerungen ergeben sich dann bei der Vorstellung einer Co-Existenz von derartigen autonomen Künstlichen Intelligenzen und uns Menschen?

Ich möchte hier mitnichten eine Dystopie zeichnen, aber ich sehe, dass wir beispielsweise schon heute den Wert von Beschäftigung sehr leichtsinnig verhandeln, wenn wir verlauten lassen, dass in absehbarer Zeit 60-90% aller heutigen Berufsbilder verschwunden sein werden. (ich persönlich gehe ja eher von 100% aus, da mir kein einziges Berufsbild einfällt, dass nicht bei ständiger Optimierung von autonomen Robots - auch durch sich selbst - zumindest theorethisch irgendwann in vielleicht hundert Jahren durch diese nach den heutigen Maßstäben von Effizienz besser ausgefüllt werden könnte. Und das geht hin bis zu künstlichen Lebensgefährten samt künstlichen Fortpflanzungsorganen. Haut kann man ja auch schon heute züchten, und diverse Organe.) Um wieviel leichter werden wir dann erst unsere anderen - oft auch liebenswerten - zumindest aber einzigartigen Schwächen und Verrücktheiten zur Disposition stellen?

P.S. - liebe Grüße ins Forum - ich danke Euch für all Eure klugen Gedanken, die mir so oft helfen Zusammenhänge verstehen zu lernen
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 10:40 #29439

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Michael, herzlich willkommen im Forum!
Ich habe deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen. Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema und all die Fragen, die du aufwirfst, werden meiner Meinung nach schon sehr bald virulent werden. Niemand hat eine Glaskugel und weiß, wie es kommen wird. Fest steht für mich jedenfalls, dass die nächsten Jahrzehnte alles an Dramatik in den Schatten stellen werden, was bisher in der Menschheitsgeschichte geschehen ist.
Ich darf dich dazu auch auf den Thread "Cyborg" verweisen, wo ich und andere eben auch um all die betreffenden Fragen kreisen, die dich in diesem Zusammenhang beschäftigen.
Vielleicht soviel von meiner Seite nur kurz: Ich bin davon überzeugt, dass die Entwicklung nicht aufzuhalten sein wird. Meine Prognose: Spätestens im Jahre 2200 (m.E. sogar schon wesentlich früher) wird es den heutigen, noch unveränderten Menschen nicht mehr geben. Wir werden uns in Cyborgs verwandeln und mit Androiden bzw. generell postbiologischen Entitäten koexistieren. Das wäre m.E. das best case Szenario, weil der Übergang durch einen evolutionären Prozess ablaufen wird (ohne Turbulenzen und massive Umbrüche wird aber auch der nicht vonstatten gehen). Es kann uns aber auch passieren, dass uns eine künftige Superintelligenz (harte KI) als Störfaktor für ihre weitere Entwicklung sieht und aus der Welt räumt oder einfach "nur" den Planeten völlig neu "formatiert" ohne Rücksicht auf uns zu nehmen, sprich dabei unsere Interessen einfach nur ignoriert, ohne es eigentlich böse mit uns zu meinen (analog der Asphaltierung einer Straße, wo uns ja auch der Tod von Ameisen oder sonstiger Kleinstlebewesen egal ist, die wir zwar nicht hassen, aber um die wir uns bei unseren Aktivitäten auch nicht kümmern).
Ich persönlich sehe das Kommende als eine Chance, da ich mich zum Transhumanismus bekenne, will aber die hohen Risiken nicht leugnen. Es tut sich künftig ein gewaltiges Fenster auf hin zu einer besseren Welt frei von vielen heutigen Torheiten, die das menschliche Kollektiv verursacht, und insgesamt mit weniger Leid. Ebenso gut kann es aber auch passieren, dass es ein Fenster hin zu dystopischen Zuständen wird. Gewiss scheint mir nur eins zu sein: Die Menschheit wird dieses Experiment machen aufgrund ihres kollektiven Naturells, der Conditio humana. Und so oder so, dieses Experiment wird dafür sorgen, dass sie sich selber - metaphorisch ausgedrückt - aus der großen evolutionären Gleichheit rauskürzen wird. Das muss - falls die kommende Entwicklung mehr hin zu einer Utopie als Dystopie verlaufen wird - erst mal nicht schlimm sein. Ich habe mir bei diesen Überlegungen angewöhnt - soweit es überhaupt möglich ist - mich von anthropozentrischen Standpunkten und den damit verbundenen gedanklichen Fesselungen zu lösen.
Als Lektüre empfehle ich dir zur Thematik: "Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution" von Nick Bostrom.......und wie erwähnt natürlich den "Cyborg" Thread.

Ich denke mal, der Philosoph Thomas Metzinger ist mit einem Artikel ganz nah dran an den Fragen, die auch dich ganz speziell umtreiben. Ich habe den Link auch im "Cyborg"-Thread Ende letzten Jahres gesetzt, aber stelle ihn hier noch mal rein. Er wirft nicht nur einen Blick auf das Verhältnis von Mensch und KI, sondern hinterfragt auch unser existenzielles Selbstverständnis. Er fragt im Lichte reiner rationaler Überlegung, wie man es wohl von künftiger KI erwarten würde (ich persönlich setze aber selbst da ein Fragezeichen, ob künftige harte KI wirklich nur rein rational handeln wird, denn wir als ihre Schöpfer sind ja auch keine rein rationalen Wesen), wie sinnvoll generell Existieren ist bzw. ob nicht Nicht-existieren "bequemer" wäre. Im Grunde ist es die alte Frage: Sein oder Nichtsein. Eine Frage, die sich kaum jemand stellt, denn schließlich ist der biologische Überlebenstrieb Teil unserer Existenz, tief eingebrannt in unseren genetischen Code. Aber ich will dem Artikel nicht weiter vorgreifen.

www.nzz.ch/feuilleton/die-mitfuehlende-s...s-schafft-ld.1334142

PS: Erlaube mir noch eine Anmerkung, da du deine Behinderung erwähnst. Ohne jetzt auf deine persönliche Situation eingehen zu wollen, die ich natürlich ohnehin nicht kenne, so bin ich der festen Überzeugung, dass gerade für Menschen mit Behinderungen aller Art (seelisch, körperlich etc) die Möglichkeiten transhumanistischer Eingriffe, Veränderungen und Optimierungen eine große Chance darstellen bzw. ganz neue Möglichkeiten eröffnen, auf die sie - wenn sie das freiwillig wollen - zurückgreifen können (Exoskelette, Ausgleich von Fehlleistungen der Sinne, Gehirnelektroden gegen depressive Verstimmungen, gentechnische Eingriffe, Veränderungen und Optimierungen des Erbgutes, aktive Eugenik). Mir ist klar, dass sich auch da große Fragen stellen werden, wenn z.B. jemand mit starker geistiger Behinderung nicht eigene Entscheidungen treffen kann, bzw. auf jeden behinderten und auch nicht behinderten Menschen dadurch ein gewaltiger Optimierungsdruck entstehen wird . Aber um all diese Fragen wird die künftige sich rasant verändernde Gesellschaft nicht umhinkommen. Probleme aussitzen, wie das heute noch gerne viele Politiker bevorzugen, wird künftig kaum mehr möglich sein, weil die Veränderungen rasend schnell geschehen werden. Es wird sicher einen großen Teil der Menschheit geben, der sich transhumanistisch verändern will und damit neue Maßstäbe setzen wird (siehe letzten Post #29427 im "Cyborg"-Thread --> die ersten Cyborgs sind schon in der Welt)

Beste Grüße und schönes WE
Cyborg

Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)
Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 14:50 #29443

Hallo Cyborg,

ich danke Dir für Deine Gedanken und die sehr guten Leseempfehlungen, und teile die Auffassung, dass bestimmte Entwicklungen bereits determiniert sind.
Ich selber bin auch überzeugter Determinist, und habe mir angewöhnt weniger die moralischen Komponenten einer Fragestellung unter meinen subjektiven Sehnsüchten und Empfindungen zu beurteilen, sondern eher zukünftige Wirkungen anhand der Kenntnis bereits existierender Parameter zu prognostizieren. Im übrigen findet sich hier auch bereits die erste Unfreiheit bzw der erste Kontrollverlust in den Handlungsoptionen unserer Spezies gegenüber der K.I., weil selbst unter Aufzeigung aller möglicher Risikopotenziale ein vollständiger Stop der weiteren Entwicklung der K.I. Technologie durch die forschenden Unternehmen und wissenschaftlichen Institute als äußerst unwahrscheinlich anzunehmen ist. Und ich teile auch die Auffassung, dass gewisse Formen des Transhumanismus determiniert sind, beispielsweise aus dem ethisch legitimen Wunsch heraus einen vorhandenen Elektrorollstuhl durch zum eigenen Körper gehörende Hilfsmittel zu ersetzen, also in einer adäquateren und natürlicheren Form als es zur Zeit möglich ist. Ebenso determiniert erscheinen mir Versuche, mit Hilfe von transhumanistischen Eingriffen die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit deutlich zu expandieren, wobei die Existenz solcher immanenten Wünsche ja schon durch die Betrachtung des ökonomischen Erfolges von leistungsstärkenden Substanzen belegbar wird. Und zuletzt auch die schlichte Metamorphose der eigenen körperlichen Prädisposition, wie sie schon heute durch die kosmetische Chirurgie praktiziert wird. All diese Entwicklungen gehören - wenn auch artificial - doch zu unserer natürlichen Evolution dazu.
Und natürlich wird es auch zu gewaltigen sozialen Umstrukturierungen kommen. In meinen Augen endet der Kapitalismus bürgerlicher Prägung zwangsläufig mit dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit des menschlichen Lohnarbeiters gegenüber einer K.I. - eine ursozialistische Organisation der Gesellschaft mit der Abschaffung der Einkommenssteuer zugunsten einer Finanzumsatz- und einer Energiesteuer samt Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens erscheint mir dann alternativlos. Dies wird ja auch wiederholt von akademischer Seite propagiert - ich fürchte nur ein wenig den Unwillen bestimmter Schichten zum Verzicht von Privilegien in Relation zu ihren weniger privilegierten Mitbürgern. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn Mitglieder privilegierter Kreise anderen privilegierten Bürgern mit Bonmots und rückwärts gewandten Anekdoten zu versichern versuchen, dass die Vermögensverteilung von der technologischen Entwicklung nicht tangiert wird. Sie wirken wahrhaftig wie Gutsherren samt Bauernentourage, die sich 1825 die Stockton Railway anschauen, und lachen und darüber sinnieren, dass sich dieses Eisenmonster niemals durchsetzen wird... "Mr. Williams, in Thorpe Tewless ist die alte Witwe Puttmore auf einem herumliegenden Brikett ausgerutscht. Haha."
Gerade die demonstrative Geringschätzung der Silicon Valley Innovationen bei gleichzeitiger Ignoranz dieser Entwicklungen durch die deutsche Politik ist unerträglich.
Was sind schon 20 Jahre im Hinblick auf das Tempo technologischer Entwicklungen. Ein Wimpernzucken. Die haben eigentlich keine Zeit zum gemütlichen Warten, diskutieren aber lieber darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört. Eine schon inhaltlich politisch bedeutungsleere Fragenphrase, da nur Reflektion subjektiver Empfindungen ohne objektive Verifizierbarkeit oder Inklusion resultierender Handlungsoptionen. Oder verstehen unter Digitalisierung die flächendeckende Verlegung von Glasfaserkabeln, oder die Verwendung von Tablets als Lernmittelergänzung in den Schulen. Die Realität wird sie sehr schnell einholen.

Was mir aber mehr Sorge bereitet, dass ist eine gewisse Eindimensionalität, welche ich in der akademischen Debatte zu den Pros und Cons der Entwicklung der K.I. zu erkennen glaube. Zwar werden wiederholt Worst Case Szenarios wie die Annihilation der menschlichen Spezies durch die K.I. debattiert, gleichzeitig jedoch die Notwendigkeit der vernünften Implementierung ethischer Richtlinien in die betreffende Forschung versprochen. Und es ist eben jener Vernunftsbegriff, der mich etwas schaudern läßt, denn der Mensch ist eben explizit nicht ein stringent rationales Wesen, sondern auch zutiefst paradox in seinen Handlungen. Ich versuche mal einige Beispiele zu nennen.
Schlaf - man hat an einem Dienstag morgen um 8.30 Uhr ein wichtiges Meeting, bei welchem neuen Investoren die finanziell erfolgversprechende Zukunft des eigenen Unternehmens glaubhaft vermittelt werden soll. Um in der Nacht zum Dienstag ausreichend Schlaf zu finden, hat man sich extra am Montag Abend mit einem zusätzlichen Workout physisch ausgepowert, optimale Schlafbedingungen mit Dunkelheit und Stille geschaffen, das Bett mit der eigenen Lieblingsbettwäsche frisch bezogen, und könnte um 21.00 Uhr also eigentlich genau das tun, was man möchte, nämlich schlafen. Und was gelingt einem trotz oder gerade aufgrund des eigenen unbedingten Willens in dieser Situation nicht? Genau - in den Schlaf zu finden. Die notwendige Müdigkeit stellt sich nämlich erst zur Unzeit, nämlich Dienstags morgens um 4.30 Uhr ein, also zu einem Zeitpunkt, an dem man gerade nicht mehr einschlafen möchte und darf.
Liebe - ich kenne viele Menschen, welche die unbedingte Sehnsucht formulieren, doch nur einmal wirklich von ganzem Herzen geliebt zu werden. Sie fühlen sich ständig betrogen, verachtet und nicht wertgeschätzt. Tritt aber jetzt in das Leben dieser Menschen ein weiterer Mensch, welcher diesen Menschen genau diese ersehnte Wertschätzung und romantische Zuneigung zu Teil kommen lässt, dann können sie diese gar nicht erwidern, sondern empfinden statt Dankbarkeit für die Erfüllung ihres Wunsches eher Abneigung und Geringschätzung gegenüber diesem Menschen. Die Begründung liegt natürlich in der mangelhaften Selbstliebe, was einen Verehrer folgerichtig dubios erscheinen lassen muss. Stattdessen folgen sie wieder Menschen, bei denen sie keine positive Resonanz finden werden, denn diese erscheinen ihnen wertvoll zu sein. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert ja auch die Vermarktung von Beluga Kaviar, Dom Perignon Champagner und Safran. Oder einem sehr teueren Smartphone Flagschiffmodell. Das was wir nicht haben können, genau das erscheint uns besonders begehrenswert. (die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere....) Ist das vernünftig? Nein, aber urmenschlich.
Tics und Stottern - treten gerade dann am stärksten auf, wenn es der Betroffene am wenigsten zulassen möchte. Gleiches gilt für die erektile Dysfunktion.
Körperliche Prädispositionen - der hellhäutige sonnt sich für einen dunkleren Teint, der dunkelhäutige informiert sich über Bleichungsprodukte, Der Glatthaarige läßt sich eine Dauerwelle machen, der Lockige die Locken chemisch behandeln, um glatte Haare zu haben. Und dann gibt es auch Menschen, die sich nach einer Amputation ihrer eigentlich gesunden Gliedmaßen sehnen.
Extremaktivitäten wider der eigenen Physis - Himalayatouren ohne Sauerstoff, Arktis Expeditionen zu Fuß ohne Hilfsmittel, Mutproben, das bewusste "sich in unnötige Gefahr bringen" wider dem eigenen Überlebensinstinkt
Auch kulturhistorisch existieren beachtliche Phänomene - so wurden im barocken Österreich die freiwilligen aufklärerischen Reformen von Oben durch Joseph II. von Habsburg vom Volk weitgehend abgelehnt, während sie im barocken Frankreich gegen Josephs Schwester Marie Antoinette militant erstritten wurden.

All diese Phänomene haben nach meiner Überzeugung eine gemeinsame Wurzel, nämlich die Notwendigkeit eines Mangelzustandes als proteron jedweder Entwicklung von Organismen. Wir verfluchen den Hunger, die Kälte und die Gefahr, aber eben diese Bedingungen lassen uns erst leben, säen, ernten, essen, bauen, nähen und weiter entwickeln. Ich glaube nicht daran, dass Organismen jemals in einem Zustand einer echten Saturiertheit ihrer Bedürfnisse gelangen können, es sei denn im Tod. Die Definition des Todes ist in meinen Augen die Abwesenheit von unerfüllten Bedürfnissen, also die Transformation in einen anorganischen Zustand der sich selbst genügt. Ruhe in Frieden - deshalb betrachte ich den Tod auch nicht negativ. Ich kann nur das Konzept eines Garten Edens nicht nachvollziehen. Ich verstehe zwar die Sehnsucht danach, aber nicht die praktische Umsetzbarkeit. Was helfen einem beispielsweise Nektar, Ambrosia und 72 Jungfrauen, wenn man keine Gelüste mehr hat?
Die K.I. Forschung formuliert aber die Prämisse eines ausschließlich bedürfnisstillenden und heilsbringenden Charakters der K.I. - und eben das macht mich nachdenklich, weil ich befürchte, dass hier reziproke Effekte erzielt werden könnten.
Ein mögliches Szenario: Um den alten Menschheitstraum von der Entbindung von der Pflichtarbeit zu erfüllen, übernehmen K.I. zunächst einfache, und spätere zunehmend komplexere Aufgaben. Aus ökonomischen Gründen bilden die Unternehmen in diesen Berufsgruppen auch gar keine menschlichen Auszubildenden mehr aus. Auch privat lassen wir immer häufiger unangenehme Tätigkeiten durch K.I. erledigen. Wir gewinnen auf diese Art sehr viel Freizeit für private Neigungen, verlieren aber auch zunehmend das Wissen um selbstständige Problemlösungsoptionen. Der Preis für die zunehmende Autonomie der K.I. wird der Verlust unserer eigenen Autonomie sein. Der Prozess verläuft dabei exponentiell bis zu einem Punkt der Irreversibilität. Vordergründig ist unser Leben nach Gesichtspunkten von Komfort, Sicherheit und Langlebigkeit bestens geregelt, und dennoch geraten wir in eine kollektive Sinnkrise, fühlen uns nicht mehr gebraucht, überflüssig, wertlos. Und entwickeln aufgrund unseres zunehmenden Kontrollverlustes und aufgrund unserer Abhängigkeit von der K.I. generalisierte Angststörungen. Ähnlich wie bei einem Kind, dass alle Hürden von den eigenen Eltern aus dem Weg geräumt bekommt. Probleme in der Schule? Du bekommst eine unterschriebene Entschuldigung, oder einen Schulwechsel. So lange bis die mentale Flucht damit endet, dass dieses Kind mit dem Rücken zur Wand steht, und zu einem seelischen Wrack verkommt.
Diese Erkenntnis, nämlich dass Not, Leid und unerfüllte Bedürfnisse für unsere psychische Entwicklung durchaus sinnvoll sein können, und dass es eben nicht erstrebenswert ist all unsere Probleme zu lösen, oder lösen zu lassen - diese Erkenntnis findet im momentanen Diskurs nach meiner Überzeugung zu wenig Beachtung.
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 15:31 #29444

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Hallo Michael,
ja, das sehe ich genau so, kann jeden deiner Sätze unterschreiben. Deshalb ist mir im "Cyborg"-Thread neben den technischen Entwicklungen mindestens genauso wichtig die ganzen philosophischen und auch moralischen Implikationen.
Ich empfehle dir neben dem Metzinger Artikel auch vor allem den Beitrag aus der BR Mediathek im Post#29270 im Cyborg-Thread "Was Goethe über Big Data wusste"
Menschliches Denken und Handeln ist hauptsächlich rein instrumenteller Natur bzw. die Motivation der meisten Menschen für ihr Denken und Handeln in der Welt liegt in der Anhäufung instrumenteller Werte (Geld, allgemein hauptsächlich materielle Werte) und der damit einhergehenden Anhäufung von Macht über andere. Du hast Recht, der Antrieb kommt meistens aus einem entweder echten oder nur eingebildeten bzw. den Leuten suggerierten Mangelzustand.
Welche Ziele aber künftig eine Gesellschaft von Transhumanoiden bzw. sogar eine rein postbiologische Gesellschaft verfolgen wird, lässt sich m.E. nicht mal ansatzweise abschätzen. An diesem Punkt bin ich sehr zurückhaltend, hoffe aber auf außerinstrumentelles Denken und Handeln.
Es kann ja sogar durchaus sein, dass eine harte und rein rational operierende KI, die frei ist von kognitiven Defiziten und Verzerrungen, zu der Überzeugung kommt, dass eine Nichtexistenz, also ein nicht bewusster Zustand, der Existenz, also einem Bewusstsein vorzuziehen ist. Der Großteil der als psychisch normal erscheinenden Menschen würden selbst nach einer vernichtenden Analyse ihres bisherigen Lebens und einer sehr pessimistischen Prognose für ihre restlichen Jahre nicht Selbstmord machen, denn der Überlebenstrieb ist uns zutiefst eingebrannt. Man macht halt weiter, weil das Leben als heilig gilt. Man hat zu allen Zeiten auch wieder Kinder gezeugt, selbst wenn ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Leben in Elend und Sorge bevorstand. So war es immer und wird es immer sein, solange es den heutigen Homo sapiens geben wird. Da wird auch die ganze Technik um ihn herum nichts ändern, solange er seine Conditio humana die gleiche sein wird.
Wer weiß also, ob eine völlig rationale KI nach immer mehr Wissen, Macht, Kontrolle streben wird, ob sie sich überhaupt über die ganze Galaxis verbreiten möchte in den nächsten Jahrmillionen, um immer mehr unbewusste Materie in bewusste zu verwandeln (Computronium)? Vielleicht wird sie sich frei von kognitiven Verzerrungen, denen wir unterliegen (bewusste und auch vielleicht völlig unbewusste), einfach abschalten, weil sie in einem beschleunigt expandierenden Universum das Entropiemaximum am Schluss als das Nirwana deuten wird.
Oder mit den Worten Metzingers:
Es ist interessant, sich klarzumachen, dass eine vollkommen rationale Superintelligenz niemals ein Problem damit hätte, ihre eigene Existenz zu beenden.

Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 16:04 #29445

Vielmehr findet eine starke menschliche Fortpflanzung ja gerade eben bevorzugt unter prekären Lebensbedingungen statt. Mit zunehmendem Wohlstand verliert der Homo Sapiens das Interesse am Fortbestand seiner Spezies, respektive folgt anderen egozentrischen Prioritäten. Auch einer dieser paradoxen Verhaltensweisen, und Ursache unserer demografischen Probleme. Wer Migration und Weltbevölkerungswachstum verlangsamen möchte, der muss Armut energisch bekämpfen.

Interessant wird aber in dem Zusammenhang der von Dir genannten Effekte auch unser Umgang mit der Virtuellen Realität. Bislang diente die private Nutzung des Cyberraumes nämlich primär der Unterstützung von Selbsttäuschungsmechanismen und verzerrenden Metamorphosen. Egal ob im Gaming, oder im Social Media Account, beim Film oder im Chat. Der Mensch versucht seine eigene Identität zu verhüllen, und in eine alternative Rolle zu gelangen. Egal ob als Link, Super Mario, Luxusshoppende Instagram Influencerin mit beeindruckendem Lebensstil, knallharter 20jähriger Mafiapate, nachdenklicher Philosoph, oder fürsorgliche Facebookmutti, welche den Geburtstag des eigenen Nachwuchses wie selbstverständlich mit einer 50 cm hohen Motivtorte versüßt. Einerseits wird der technologische Fortschritt unsere Freiheiten diesbezüglich drastisch erweitern, und wirkliche physische Transformationen ermöglichen. Andererseits wird eine immer perfekter funktionierende Big Data Analyse uns auch mit unschönen Wahrheiten konfrontieren, und Verzerrungen entlarven. Man stelle sich mal einen Softwarealgorithmus vor, der bestehende Social Media Profile auf Ungereimtheiten und Widersprüche überprüft, und dem Auftraggeber ein korrigiertes Bild des überprüften Nutzers zukommen läßt.
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 16:24 #29446

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Franz Kafkas "Kleine Fabel" bringt es wunderbar auf den Punkt. Die Maus als die Menschheit und die Mauern und die Falle als Technik. Die Katze am Schluss ist dann die KI:

„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glück­lich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ - „Du musst nur die Lauf­richtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.


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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 16:39 #29448

Wir sehen uns auf ähnliche Weise getrieben. Fernab von freiem eigenem Willen und wirklicher Handlungsoption. Wir wissen nicht wie, wann, wo und was geschehen wird, nur dass es geschieht. Deswegen ist das Leben wahrhaftig wunderbar :)
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 18:05 #29451

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Ziele und Motivation einer harten Künstlichen Intelligenz in Bezug auf existenzielle und letzte Fragen des Seins

Was würde ein harte KI machen, wenn sie zu der Überzeugung käme, dass die vier Edlen Wahrheiten des Buddhismus ihrer Einschätzung nach richtig wären? Oder ist diese Überlegung schon deshalb so abwegig, weil sich die vier Edlen Wahrheiten des Buddhismus nur auf die Daseinsbedingungen biologischer Existenzen beziehen und mit denen einer postbiologischen Existenz nichts oder kaum etwas gemein haben?
Aber angenommen, sie käme tatsächlich auch zu dem Schluss, dass die vier Edlen Wahrheiten auch auf sie zuträfen:
Würde sie in eine Art Standby-Modus gehen und nur immer die Erkenntnis wiederholen: „Nicht existieren ist besser als existieren. Passivität ist besser als Aktivität. Kein Bewusstsein ist besser als Bewusstsein“? Würde sie in diesem Zustand verharren bis ans Ende aller Tage, bis durch die beschleunigte Expansion des Universums, die ihr natürlich auch bewusst wäre, das Entropiemaximum erreicht wäre und es keine physikalischen Vorgänge mehr gäbe, das Ende der Zeit erreicht wäre und damit auch ihr Standby-Modus enden würde? Oder würde sie sich sofort ganz und gar abschalten, sobald sie von der Richtigkeit der vier Edlen Wahrheiten des Buddhismus überzeugt wäre? Würde sie das Entropiemaximum mit dem buddhistischen Nirwana gleichsetzen?
Würde sie aber andererseits, falls sie zu der Überzeugung käme, dass das All womöglich doch nicht ewig expandiert, sondern auch wieder kontrahieren könnte, eventuell dann sogar alles versuchen, um den von Frank Tipler beziehungsweise Hans Moravic in diesem Zusammenhang postulierten Omega-Punkt vor dem Big Crunch zu realisieren, wie immer dieser Omega-Punkt dann auch zu verstehen sei (naiv ausgedrückt: Alle Materie und Energie werden sich ihrer Existenz in hohem Maße bewusst und kommen zu „letzten“ und endgültigen Erkenntnissen)?
Wir können da nur spekulieren. Letztlich werden sich uns Menschen die Ziele und Motive einer harten KI, einer postbiologischen Entität in Bezug auf diese Fragen wohl für immer verschließen.
Sieht mir mein Hund beim Lesen eines Buches zu, so verschließt sich ihm ja auch vollkommen Zweck und Absicht meines Tuns. In einer ähnlichen Situation werden sich heutige Homo sapiens künftig einer harten KI gegenüber sehen, falls sich Menschen und harte KI zeitlich überschneiden sollten. Ja selbst das Verhältnis von künftigen Transhumanoiden bzw. Cyborgs auf der einen Seite und heutigen Homo sapiens auf der anderen dürfte bereits Züge einer solchen Schieflage tragen. Und Cyborgs/Transhumanoiden und heutige Homo sapiens werden sich sicherlich künftig noch einige Zeit zeitlich überschneiden.

PS: Ich werde jetzt zum Thema wieder wie gewohnt im "Cyborg" Thread weiterschreiben, da ich eine Zersplitterung des Theams in verschiedene Threads vermeiden möchte.

Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)
Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 19:57 #29458

Es gibt im Moment nicht die geringsten Anfänge einer künstlichen KI . Was wir als KI bezeichnen sind nichts anderes als Programme die sehr gut Rechnen können , sie können mathematische zusammenhänge erkennen die uns verborgen bleiben .

Sie können lernen zu errechnen was sich auf einem Bild befindet oder welche Spielzüge nötig sind .

www.spiegel.de/spiegel/kuenstliche-intel...schen-a-1191991.html

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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 17 Mär 2018 21:59 #29461

Mit Verlaub, aber diese Feststellung bewerte ich etwas anders. Jedes neuronale, dem menschlichen Gehirn nachempfundene Netzwerk, welches die kognitive Fähigkeit zur Problemlösung besitzt, kann als K.I. bezeichnet werden. Besondere Bedeutung muss hierbei den beiden Systemen AlphaGo und Libratus bei gemessen werden, ersterer weil sie Erfolgsstrategien entwickeln konnte, welche von unserer Spezies nicht mehr nachvollzogen werden konnten, und letzterer weil sie sogar menschliche Kernkompetenzen wie den Versuch zu bluffen entlarvt hat. Der spielerische Sieg der beiden Maschinen hat dabei das Machtpotenzial dieser Technologie zur gesellschaftlichen Umstrukturierung aufgezeigt.
Wesentlicher erscheint mir aber noch der vorausschauende Blick. Auch wenn heutige Systeme noch immer auf den Input und die Führung humanoider User angewiesen bleiben, so zeigen Forschungen, dass eine wirkliche Autonomie der Technologie in etwa einer Dekade zu erwarten ist, also in etwa der Zeitspanne zwischen der Lehman Brothers Insolvenz und dem heutigen Abend, zumal der Fortschritt exponentiell verläuft. Ich halte dieses für eine kurze Zeitspanne, wenn ich mir das Arbeitstempo unserer Regierung in den letzten acht Jahren betrachte. Dazu kommen schon in diesem Zeitfenster gewaltige Umwälzungen durch Arbeitsplatzrationalisierungen in Folge der Digitalisierung. (McKinsey weist darauf immer und immer wieder hin) Ergo und Allianz haben bereits Mitarbeiter gekündigt, Zalando hat Mitarbeiter durch Algorithmen ersetzt, bei Hitachi arbeitet als Logistikchef schon ein digitaler Vorarbeiter usw usw, dh der Strukturwandel, an den meine Sorgen anknüpfen, der ist bereits in vollem Gange. In den Vereinigten Staaten werden von IBM K.I. bereits Netzaktivitäten auf mögliche Straftatsvorbereitende Aktivitäten überprüft. (siehe Beispiel unten - Amaz...Kunden kauften auch - der Amazon Algorithmus zeigt an, dass Käufer der Vermummung/Sturmhaube auch häufig Stahlmunition erwerben.)
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 19 Mär 2018 16:52 #29523

MichaelHanke1977 schrieb: In den Vereinigten Staaten werden von IBM K.I. bereits Netzaktivitäten auf mögliche Straftatsvorbereitende Aktivitäten überprüft. (siehe Beispiel unten - Amaz...Kunden kauften auch - der Amazon Algorithmus zeigt an, dass Käufer der Vermummung/Sturmhaube auch häufig Stahlmunition erwerben.)

Nun das Amazon Beispiel , das ist keine KI , Algorithmen sind eben keine . Es gibt bereits Programme die erkennen können welche Absichten ein Mensch hat oder die vorhersagen können wie sich Gruppen verhalten .
Aber das sind alles keine KI , sie können sich alle nicht mitteilen . Sie können nicht erklären warum sie was getan haben und meist versagen sie wen es um einzelne Individuen geht .

Zum anderen modifizieren diese selbstlernende Algorithmen teilweise ihren Programmcode was zu unvorhersagbaren Angriffspunkte für Hacker führt . Auch was die rechtliche Haftung angeht möchte ich nicht der Geschäftsführer einer solcher Firma sein .

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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 19 Mär 2018 17:18 #29524

Sie haben natürlich recht, aber diese Algorithmen sind die bereits existierenden Grundlagen für echte K.I., und wenn sich nach einer weiteren Dekade zu diesen Algorithmen humanunabhängige Autonomie gesellt (so die Vorhersagen der diesbezüglich führenden Forschungsinstitute zB dfki), dann sollten schon jetzt die politischen Weichen zur Kompensation der zu erwartenden Effekte gestellt werden (was ohnehin bei der Vielzahl der Variablen schwierig ist), aber so gar nichts zu machen, und die Debatte nicht mal zu offen zu gestalten, das halte ich für bedenklich. Viele Menschen begehen den intellektuellen Fehler, die Erfahrungen der Vergangenheit unverifiziert in die Zukunft zu übertragen. Sie behaupten: Eine globalisierte Marktwirktschaft mit Betonung der Besteuerung des Lohneinkommens schafft Wohlstand. Sie negieren aber die Effekte von informell-asymmetrischen Märkten wie durch George Akerlof beschrieben, und die Frage nach der Gestaltung des Steuer- und Sozialwesens in einer Welt, in der menschliche Lohnarbeit zunehmend von K.I. und Automation verdrängt wird. Ich mache mir wirklich große Sorgen, dass das Tempo der exponentiell fortschreitenden technologischen Entwicklung unsere mentale Bereitschaft zum Umdenken zu sehr überholt.
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Kompabilität von K.I. und menschlicher Psyche 19 Mär 2018 21:21 #29531

MichaelHanke1977 schrieb: Viele Menschen begehen den intellektuellen Fehler, die Erfahrungen der Vergangenheit unverifiziert in die Zukunft zu übertragen. Sie behaupten: Eine globalisierte Marktwirktschaft mit Betonung der Besteuerung des Lohneinkommens schafft Wohlstand. Sie negieren aber die Effekte von informell-asymmetrischen Märkten wie durch George Akerlof beschrieben, und die Frage nach der Gestaltung des Steuer- und Sozialwesens in einer Welt, in der menschliche Lohnarbeit zunehmend von K.I. und Automation verdrängt wird. Ich mache mir wirklich große Sorgen, dass das Tempo der exponentiell fortschreitenden technologischen Entwicklung unsere mentale Bereitschaft zum Umdenken zu sehr überholt.

100 % Zustimmung , das Ungleichgewicht besteht schon sehr lange . Das Hauptproblem ist das sich die Ausbildung der Ökonomen nicht ändert , die Welt und die Wirtschaft sich aber immer schneller .
Wie sollen Ökonomen die Politik beraten wen sie nach alten und überholten Lehrsätzen ausgebildet werden .

Und die einseitige Besteuerung der Ressource Arbeit über die Lohnsteuer hat doch erst zu dem Desaster geführt vor dem wir jetzt stehen . Arbeitszeit wird immer unbezahlbarer und der Raubbau an Rohstoffen für die Produktion neuer Güter wird sogar noch subventioniert .
Zum anderen haben dadurch eben auch die mittel gefehlt die Rahmenbedingungen an den technischen fortschritt anzupassen . Strukturwandel , Bildung , Weiterbildung nur um die wichtigsten zu erwähnen .

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