31.10.2018
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Fusionskraftwerk vs Kernkraftwerk • Kommentarcheck | Hartmut Zohm

Kernfusion und Kernspaltung setzen Bindungsenergie aus kernphysikalischen Prozessen frei. Dabei werden auch radioaktive Elemente erzeugt. Die ungeklärte Frage der Endlagerung radioaktiver Substanzen und havarierte Kernreaktoren in Tschernobyl und Fukushima haben in Deutschland zu einem Ausstieg aus der Nutzung der Kernspaltung geführt. Warum arbeiten trotzdem Wissenschaftler weltweit am Bau von Fusionsreaktoren?
Hartmut Zohm, Leiter des Bereichs Tokamak-Szenario-Entwicklung und Direktor am Max Planck Institut für Plasmaforschung in Garching, stellt die negativen Aspekte der unterschiedlichen Konzepte "Fusion" und "Spaltung" gegenüber.

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Personen in dieser Konversation

  • Vielen Dank für den für mich sehr interessanten und plausiblen Beitrag. Für den abschließenden Appell Hartmut Zohms möchte ich mich herzlich bedanken!

  • Hallo UWudL-Team,
    ein Video mit Prof. Dr. Hartmut Zohm bekommt schon fast grundlegend den Daumen nach oben bei mir. Ich schätze (wie immer) seine präzise ruhige und sehr sachliche Art.
    Die Gegenüberstellung fand ich logisch und schlüssig, wobei ist neben den drei Schwerpunkten in Sachen Sicherheit eigentlich noch einen vierten hinzugerechnet wünschte. Mein vierter Punkt wäre streng genommen fast in die Rubrik „Störfall“ einzuordnen, doch aus praktischer Sicht wäre dies nicht ganz korrekt. Es geht um den Faktor Schlamperei und Profitgier. Wenn man sich die Geschichte rund um AKWs und auch Wiederaufbereitungsanlagen (Beispiel La Hague) ansieht, ist schnell zu erkennen, wie rücksichtslos hier bewusst oder unbewusst Grenzwerte überschritten werden und radioaktives Material in die Umwelt abgelassen wird. Vermutlich um Kosten zu drücken oder lange Genehmigungsverfahren zu umgehen. Dies ist ein Faktor, der auf jeden Fall zu berücksichtigen ist. Im Labor und auf dem Papier lässt es sich schön und eng umreißen und streng einhalten. In der üblichen Praxis erfolgt der Umgang viel lascher und oftmals rein Profitorientiert. Solche Verstöße gab es immer und wird es auch immer geben. So war es durchaus üblich, in DDR-Braunkohlekraftwerken die verstopften Abgasfilter in einer regelrechten Nacht-und-Nebel-Aktion durchzublasen. Für betroffene Bürger, die über Nacht die Wäsche im Freien aufgehängt hatten, gab es dann mal ein paar Päckchen Waschmittel gratis. Aus meiner Sicht kein Störfall, sondern bewusste Aktion zur Senkung von Betriebskosten. Bei radioaktiven Abfällen ist dies aber nicht so einfach regulierbar. Egal wie lang die Halbwertszeiten sind. Da sehe ich es sogar noch kritischer, denn je geringer die Halbwertszeiten sind, desto geringer sind die Skrupel zur unkontrollierten Entsorgung. Selbst wenn es hier große staatliche Auflagen und Kontrollen gibt (die gibt es in der Lebensmittelkontrolle ebenso - verpuffen dort in vielen Fällen trotzdem), ist die Zahl der schwarzen Schafe stetig auf einem gewissen Niveau. Daher sollte aus meiner Sicht die Technologie schon von sich aus solchen Missbrauch durch Profitgier umgehen bzw. unmöglich machen bzw. auf das minimalste unkritischste reduzieren.
    Die Schlussbemerkung von Prof. Dr. Hartmut Zohm zum Fake-News-Monster Internet kann ich auf breitester Front voll und ganz unterstützen. Diese Front braucht aber deutlich mehr Breite, anderenfalls schwimmen die Fake-News wie die Sahne bei der Milch immer oben auf. Daher „Scientists for Truth“!

    Danke an das UWudL-Team.