Quasare in rätselhaftem Gleichschritt Credt: eso / M. Kornmesser
20.11.2014
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Quasare in rätselhaftem Gleichschritt

Jetzt hatten wir gedacht endlich verstanden zu haben, wie Materie in Schwarze Löcher stürzt und auf welche Weise sich dabei um diese kosmischen Abflüsse rotierende Scheiben bilden, die wir Quasare (quasi-stellar radio source) nennen - und jetzt kommt heut´ morgen das:   Link zur Publikation 

Aber der Reihe nach: Schwarze Löcher lassen jenseits des Ereignishorizonts kein Licht entkommen - deshalb nennt man sie ja "schwarz".  Wird aber etwas hineingerissen, dann gibt es eine Lichtshow erster Güte. Die Gezeitenkraft zerfetzt die Materie bereits vor dem Überschreiten des Ereignishorizonts und setzt dabei bis zu 43 Prozent der Ruhemasse in Form von Strahlung frei. Man nennt es etwas martialisch den finalen Todesschrei der Materie.

 

(Bemerkung zur Gezeitenkraft: Die Gravitation verringert sich allgemein mit dem Quadrat der Entfernung zur anziehenden Masse. Für einen Fallschirmspringer, der mit den Füßen voran auf die Erde zustürzt, bedeutet das, dass auf seine Füße eine stärkere Gravitationskraft wirkt als auf seinen Kopf. Die Füße sind eben schon eine Körperlänge näher an der anziehenden Masse – der Erde – dran. Tatsächlich bemerkt er davon nichts, weil die Kräfte, die seinen Körper zusammenhalten, viele Größenordnungen stärker sind. Je größer allerdings die Ausdehnung des einstürzenden Körpers und je schwerer die anziehende Masse ist, desto stärker wirkt diese sogenannte Gezeitenkraft. Das kann letztendlich den Körper beim Sturz in ein Schwarzes Loch extrem verformen - man spricht von Spagherttifizierung - bis hin zum Zerreißen.)

Credit: astro.caltech.edu

Die Energiefreisetzung beim Sturz in ein Schwarzes Loch lässt sich theoretisch berechnen. Für ruhende Schwarze Löcher läge die Effizienz bei 7 Prozent der Ruhemasse (10-mal höher als bei der Fusion im Innern unserer Sonne!).   

Tatsächlich liegt die beobachtete Freisetzung bei 43 Prozent der Ruhemasse des einstürzenden Körpers. Das ist ein Beleg dafür, dass sich Schwarze Löcher drehen und dadurch ihren Einfluss auf ihre Umgebung deutlich verstärken.  

Die um Quasare rotierenden Scheiben erzeugen wiederum Jets. Derartige Strömungen entlang der Drehachse entstehen immer wenn sich was dreht und Magnetfelder beteiligt sind. An den Jets lassen sich also die Drehachsen der Quasare präzise ablesen. Soweit die etablierte Theorie...

Credit: eso / M. Kornmesser

Verblüffenderweise scheint es über Milliarden Lichtjahre hinweg eine kosmische Absprache unter 93 untersuchten Quasaren zu geben, in welche Richtung sie ihre Drehachse ausrichten. Das zumindest behaupten Kollegen von der Universität Lüttich, basierend auf Beobachtungen mit dem FOS2-Instrument am Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte in Chile. Demnach würden sich Quasare bevorzugt senkrecht oder parallel zu den großräumigen kosmischen Filamenten ausrichten. Das klingt nicht schlimm, solange man sich nicht die Frage stellt: WARUM?

Damit wird die Theorie der Quasarentstehung neu befeuert. Fehlt womöglich noch ein wesentlicher Bestandteil? Hoffentlich ist es am Ende nicht wieder irgendwas "Dunkles"...    

Josef M. Gaßner (20.11.2014)

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