New Horizons - da is´ das Ding! Bildcredit: Nasa / APL / SwRI
15.07.2015
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New Horizons - da is´ das Ding!

Update zur New Horizons Mission.

Oliver Kahn hätte wohl beim Anblick des ersten Bildes ausgerufen: "Da is das Ding!". Alice Bowman - Leiterin der Mission - war auch ungewohnt emotional: "Ich bin völlig ausgerastet und war total gestresst, während wir auf das Signal gewartet haben. Aber die Sonde ist glücklich, und die Daten sind gesammelt. Für mich ist damit ein Kindheitstraum wahr geworden, das ist unbeschreiblich." Der Jubel in der Kontrollstation in Laurel (Maryland USA) - als die Sonde den erlösenden Ping und einen 15-minütigen Statusbericht sendete - stand auch einem gewonnenen Fußballpokal in nichts nach. Allerdings ist das gezeigte Bild von Pluto bereits 48 Stunden alt - die Aufnahmen des Vorbeiflugs sind noch mit weniger als 1 kB/s unterwegs durchs Sonnensystem. Tatsache ist: Die Sonde New Horizons ist ohne Beschädigungen durch Brösel oder Brocken am Pluto vorbei. Keine Selbstverständlichkeit für ein Geschoß mit einer Geschwindigkeit von 14,57 m/s (52.452 km/h). Bei den ersten Planungen zur Mission wusste man noch nicht einmal, dass Pluto 5 Monde hat - sind wir froh, dass nicht kurzfristig ein sechster an unglücklicher Position dazugekommen ist... Eigentlich wollten wir ursprünglich sogar bis auf 9.600 km an den Zwergplaneten ran, aber bei 12.000 km will ich jetzt nicht mosern. Die Position der Sonde (11:00 Uhr MEZ) sehen Sie in der nachfolgenden Graphik:

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Bildcredit: Nasa / APL / SwRI

Die größte Neuigkeit bislang und zugleich eine Genugtuung für die Pluto-Fangemeinde: Der Zwergplanet ist mit 2.370 km Durchmesser doch größer als Eris (ein 2.326 km großer Zwergplanet, der 2005 von Mike Brown im Kuipergürtel entdeckt wurde). Ich vermute, die ersten Petitionen, Pluto wieder in den Rang eines Planeten zu versetzen, sind schon unterwegs. Dass Eris rund 30 Prozent mehr Masse aufweist sollten wir in der allgemeinen Euphorie besser verschweigen... Die Plutosianerinnen und Plutosianer sehen es offensichtlich eh gelassen und haben eigens für den Vorbeiflug ein Herz in die Planetenoberfläche - oh pardon - in die Zwergplanetenoberfläche gemalt. Eventuell könnte es sich dabei auch um unterschiedliche Zusammensetzungen der Eiskruste handeln - darüber werden die händeringend erwarteten Daten Aufschluß geben.

Die beiden nachfolgenden Abbildungen zeigen die unglaubliche Strecke, die New Horizons durch die Weiten des Sonnensystems zurückgelegt hat. Nach dem Swing-By am Jupiter hatten wir 22,85 km/s "auf dem Tacho". Auf Höhe der Saturnumlaufbahn waren es noch 18,3 km/s, am Uranus 15,8 km/s und am Neptun 14,7 km/s.  

 

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Bildcredit: Nasa / APL / SwRI

 

 

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Bildcredit: The Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory LLC

 

 

 

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 Bildcredit: AFP

Offensichtlich ist die Oberfläche von Pluto sehr jung - weniger als 100 Mio Jahre alt -, zumindest gibt es kaum Einschlagkrater. Das legt natürlich geologische Aktivitäten nahe, wodurch die Einschlagsspuren verschwunden sind. Erstaunlich - immerhin reden wir von einer Oberflächentemperatur von unter minus 220 Grad Celsius, da würde man ad hoc kein flüssiges Wasser erwarten, das die Krater an der Oberfläche nivelliert. 

Kryovulkanismus kennen wir ja schon vom Neptunmond Triton - Pluto verfügt allerdings nicht über dessen Gezeitenkräfte. Da ist noch Klärungsbedarf.

Auch die 3.500 Meter hohen Berge am Äquator bestehen vermutlich aus Wassereis, zumindest sind Metaneis und Stickstoffeis kaum in der Lage solche Giganten stabil aufzutürmen.

 

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 Bildcredit: AFP

 

Auch Charon gibt noch Rätsel auf: Woher kam das Material an seiner Polkappe?

Warten wir die verbleibenden 1.200 Bilder der Sonde ab. 

 

 

 

 

 

 

 

  • Gast - Josef M. Gaßner

    Lieber Herr Birker, die Kommentarfunktion ist nur dafür ausgelegt Kommentare abzusetzen. Für eine Diskussion ist das Forum besser geeignet. Darf ich Sie bitten, Ihre Frage dort zu stellen?

  • Gast - Holger Birker

    Selbstverständlich bin ich auch fasziniert. Seit 1958 bin ich an Allem interessiert was mit Weltraumforschung zu tun hat. Heinz Haber und Günter Siefarth sind mir in Erinnerung von denen ich die Bücher verschlungen habe und die Fernsehberichte. Davor natürlich als Kind schon die Romane von Hans Dominik. In den letzten Jahren sind mir aber Zweifel gekommen. Ich stelle fest, dass nicht ein besseres Verständnis der Welt die Folge ist, sondern immer nur neue Fragen auftauchen. Die Forschung in der Medizin hat ihre Berechtigung, aber auch die Erforschung des Weltraums? Die Billionen hätten sinnvoller verwendet werden können, als damit das Steckenpferd einiger Wissenschaftler zu bezahlen. Es kommt letzten Endes nichts dabei rum für das Einzige was zählt, nämlich das Wohlergehen möglichst vieler Menschen auf unserem Planeten. Ich bin auf gute Gegenargumente gespannt... :)

  • Gast - Sven Trogrlic

    Duisburg, Germany

    Wahnsinn diese Entfernung von Erde bis Pluto...ein Passagierflugzeug würde etwa 700 Jahre Flugzeit benötigen um diese Distanz zu überwinden.
    Der grosse dunkle Fleck soll wirklich noch ein Rätsel sein ?!

  • Gast - Kurt

    Hamburg, Germany

    naja was soll ich sagen, ich bin total platt - großartige Leistung, so ein kleines mechanisches Teil über Milliarden Kilometer so perfekt zu steuern - ich fasse es nicht. Un dann diese Bilder ! Aber andererseits ist es in den 60ern des letzten Jahrhunderts ja auch schon gelungen Sonden zum Mars und zur Venus zu steuern und zumindest den Erkenntnisstand deutlich zu erweitern. Hut ab aber auch vor diesem Projekt mit Gassner und Lesch (wo ist eigentlich der Jörn). Wo ich kann wird's in meinem Dunstkreis empfohlen.

  • Gast - Sherlock Holmes

    Unglaublich!! Kaum zu fassen, wie viel wir mit der Wissenschaft erreicht haben, wir konnten nun endlich, mehr oder weniger den letzten Planeten unseres Sonnensystem erforschen.

    Nochmal ein großes Lob zu dieser Seite, ist einfach nur super gemacht :)