Zurück in die Zukunft - Zeitreisen "Michael J. Fox as Marty McFly in Back to the Future, 1985" by Source. Licensed under Fair use via Wikipedia - https://en.wikipedia.org/wiki/File:Michael_J._Fox_as_Marty_McFly_in_Back_to_the_Future,_1985.jpg#/media/File:Michael_J._Fox_as_Marty_McFly_in_Ba
18.10.2015
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Zurück in die Zukunft - Zeitreisen

Erinnern Sie sich noch an die Filmreihe von Steven Spielberg: „Zurück in die Zukunft“? Einer der Hauptdarsteller – Marty McFly – reist mit einem zur Zeitmaschine umgebauten PKW (DeLorean) aus den 80er Jahren in die Zukunft. Sein Ziel: das kalifornische Hill Valley am 21. Oktober 2015 um 16:29 Uhr. Ja, richtig – das ist nächsten Mittwoch, bzw nach MEZ in der Nacht zum Donnerstag. Im Internet wird bereits eine Willkommensparty organisiert und der übliche Medienwahnsinn bahnt sich seinen Lauf.

Wäre eine derartige Reise in die Zukunft eigentlich wissenschaftlich möglich? Gibt es Zeitreisende? Die Antwort ist: JA – derzeit gibt es ca. 7 Mrd. Zeitreisende auf unserem Planeten. Den Rekord hält der russische Kosmonaut Gennadi Padalka. Vermutlich fragen Sie sich jetzt: Wie kann das sein?

Für Isaac Newton war das Phänomen Zeit absolut. Es gab nur eine Taktrate, nach der alle Prozesse im Universum ablaufen sollten. Seit Albert Einstein wissen wir allerdings, dass Zeit relativ ist. Die Spezielle Relativitätstheorie lehrt uns, dass die Zeit umso langsamer vergeht, je schneller man sich bewegt. Die Allgemeine Relativitätstheorie wiederum lehrt uns, dass auch dort die Zeit langsamer vergeht, wo starke Gravitation wirkt. Diese theoretischen Erkenntnisse konnten mittlerweile auch bestens durch Messungen bestätigt werden. Hierfür hat man mehrere Atomuhren synchronisiert und anschließend einige davon in Flugzeugen auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigt oder in höhere Regionen gebracht, d.h. weiter entfernt vom Erdmittelpunkt und damit in ein Gebiet mit schwächer Gravitation. Die Meßergebnisse bestätigen: Die Zeit vergeht unter bestimmten Voraussetzungen unterschiedlich schnell.

Zeitreisen sind damit leicht zu bewerkstelligen. Man hält sich eine Weile in einem Zustand auf, in dem die Zeit langsamer vergeht und kehrt anschließend „zurück in die Zukunft“. So gesehen ist jeder von uns schon in die Zukunft gereist, beispielsweise wenn sie/er ein Stockwerk oder eine Leiter rauf und runter gestiegen ist oder wenn sie/er sich mit einer Geschwindigkeit größer null bewegt hat. Ernüchternd sind allerdings die absoluten Daten dieser Zeitreisen. Gennadi Padalka musste sich in mehreren Etappen insgesamt 878,5 Tage auf Raumstationen aufhalten, die mit ca. 27.000 km/h um die Erde kreisen, damit er auf diese Weise 1/40stel einer Sekunde in die Zukunft reisen konnte. Dummerweise heben sich besagte Effekte sogar teilweise weg, weil er zwar mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war, allerdings das Gravitationsfeld in diesen Höhen schwächer ist vergleichen mit der Erdoberfläche.

Wie sieht‘s aus mit der Reise in die Vergangenheit? Kann man sich so schnell bewegen, dass die Zeit nicht nur langsamer vergeht, sondern sogar rückwärts läuft? Leider oder zum Glück: NEIN. Der Zeitpfeil versperrt uns den Weg. Die Prozesse in unserem Universum verlaufen in Richtung zunehmender Unordnung. Das kann schneller oder langsamer erfolgen, jedoch nicht in umgekehrter Richtung. „Leider“ deshalb, weil angesichts unserer Gegenwart vermutlich für viele eine Reise in die Vergangenheit die attraktivere Variante wäre. „Zum Glück“ deshalb, weil wir ansonsten zu jeder Zeit ein ziemliches Tohuwabohu hätten. Wären Zeitreisen in die Vergangenheit möglich, hätten wir bei jedem bedeutenden Ereignis auf diesem Planeten eine Heerschar an Zeitreisen-Touristen. Vermutlich häb’s eine Zehnerkarte für Reisen zu den wichtigsten Ereignisse der Bibel, oder den größten Entdeckungen der Menschheit, einen Kurzurlaub auf der Titanic oder im Schussverkauf: „Erleben Sie die Mondlandung live!“…

Josef M. Gaßner (17. Okt. 2015)

  • Ja wäre schön in der Zeit zu reisen. In der Tat eine Zeitreise bedeutet natürlich immer auch eine Reise im Raum (alles bewegt sich weiter). In die Vergangenheit zu reisen geht auch nicht- Zeitparadoxon.
    Wie wäre es aber, wenn wir eine Maschine bauen könnten, die den Raumtransport ebenfalls einrechnet und berücksichtigt. Und eine Reise in die Vergangenheit wäre mit dieser Maschine nicht eine Reise in unsere Vergangenheit sondern in eine fast gleiche, aber andere. Alle Dinge, die wir dort erleben und verändern hätten keinerlei Auswirkungen auf die (unsere) Zukunft. Eine Reise über quantenphysikalische Tricks. Vielleicht nur ein Hineinschauen in diese Vergangenheit. Keine Veränderungen möglich. Wäre nicht ganz wie der Film, aber auch sehr interessant.

  • Gast - Rainer Markert

    Einspruch! Der Begriff "Zeitreisen" ist nicht relativistischer Herkunft. Er bezieht sich auf die Vorstellung, das man "durch die Zeit reist" und in einer zukünftigen bzw. vergangenen Welt gelangen würde. Nun, wie soll man in eine Welt gelangen, die längst vergangen oder noch gar nicht existiert? Dies offenbart schon in sich eine widersinnige Vorstellung. Ok. Irgendwer macht zu jeder Billiardstel Sekunde (oder Zeitquanteinheit) ein Snapshot des gesamten Universums und legt diese in Schubladen ab. Ein Zeitreisender springt dann dort hinein, und aktiviert diese damit wieder. Dann aber, muss dieser auch wieder gesnaptshot werden, da in dieser Zeit auch auch Zeitreisen möglich sein sollten. Um Snapshots auch von der Zukunft machen zu können, muss diese ja schon irgendwie existieren. "Man kann ja in die Zukunft reisen" ;-). Ja, und alle Zukünfte müssten auch schon gesnapshoted sein. Ok, dann machen es eben Paralelluniversen möglich... Das Schöne an der Einsteinschen Arbeit ist, wie er selbst bekräftigte, der damit einhergehende heuristische Nutzen. Jede Überlegung die in eine ernsthafte Erwägung von "Zeitreisen möglich" mündet, ist einfach nur ein sicherer Irrtum. Durch die Gleichheit von träger und schwerer Masse passiert in beiden Fällen das Gleiche. Ob ich in einem schwarzen Loch überwintere oder an Bord eines so gut wie lichtschnellen Raumschiffs. In allen Fällen resultiert nur eines: einen, für das Raumzeitobjekt veränderter Zeitablauf. Wenn ich nach einer Amerikarundreise 2 Jahre später zurück komme, dann nicht in die 2 Jahre spätere Zukunft in Europa. Der Unterschied ist nur, ob ich Dank relativistischer Reise weniger gealtert zurück komme. Wie eben besagter Satellitenastronaut. Also bitte nicht die alte Mär von "Zeitreise möglich" weiter nähren. Lieber öfters mal relativistisch Reisen, statt "Zeitreisen", hat man einfach mehr von ;-)

  • Armer Einstein.
    Ich mein jetzt nicht Albert den Großen sondern Dr. Browns Hund im Film. Der wäre nämlich bei einer Zeitreise 1 min in die Zukunft jämmerlich erstickt (es sei denn der DeLorean wäre luftdicht)
    Was bei Betrachtungen über Zeitreisen in populärwissenschaftlichen Publikationen immer vergessen wird ist: die Welt dreht sich weiter. Während der einem Minute die Einstein im DeLorean übersprungen hat dreht sich die Erde weiter um sich selbst, dreht weiter ihre Bahn um die Sonne, dreht sich die Sonne weiter um das Zentrum der Milchstrasse, rast die Milchstrasse weiter auf Andromeda zu und so weiter. Wie immer man auch eine Zeitreise machen will, um dort herauszukommen wo man beabsichtigt müsste man sämtliche Bewegungen einkalkulieren und auch eine entsprechende Ortsveränderung machen. Doch das wiederum würde ein globales ausgezeichnetes Inertialsystem erfordern relativ zu welchem man alle Bewegungen rechnen kann....

  • Hallo,
    eine Frage: Wenn die Geschwindigkeit des Zeitverlaufs abhängig ist von der Gravitation, müsste die Zeit auf der Sonne sehr viel langsamer vergehen als auf der Erde, richtig? Bsp. Sonnenoberfläche: 28 G, Umdrehungsgeschwindigkeit ca. 7.000 km/h - müsste das nicht aus unserer Perspektive einen spürbaren Effekt auf die Lebensdauer der Sonne haben? Oder ist der Effekt auch bei diesen Zahlen so gering, dass er nur theoretisch ins Gewicht fällt?

  • Dass Zeitreisen nicht möglich sind, davon zeugt doch wohl auch das hübsche Argument, dass wir Jetzigen - und offenbar auch all unsere Altvorderen - noch nie Besuch aus der Zukunft hatten. Schade eigentlich . . . (Ausnahme: Erich von Däniken, Erinnerungen an die Zukunft, wie konnte ich den nur vergessen?)

  • Die Filmreihe ist produziert von Steven Spielberg.
    Die Regie führt Zemeckis, daher ist es schon richtig.

    Kommentar zuletzt bearbeitet am vor 3 Jahren von Mustafa Basaran
  • Gast - Daniel Capalbo

    Die Filmreihe stammt nicht von Steven Spielberg, sondern von Robert Zemeckis.

  • Gast - mir

    „Erleben Sie die Mondlandung live!“ ja das hätte ich vermutlich auch gebucht ;-) ein schöner gedanke!