Zweite Gravitationswelle © Numerisch-relativistische Simulation: S. Ossokine, A. Buonanno (MPI für Gravitationsphysik), Simulating eXtreme Spacetime Projekt; Visualisierung: T. Dietrich, R. Haas (MPI für Gravitationsphysik)
16.06.2016
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Zweite Gravitationswelle

Zweite Gravitationswelle nachgewiesen

Einmal ist keinmal aber ab dem zweiten Mal ist es Wissenschaft! Umso mehr freut es die Kollegen, dass sie erneut eine Gravitationswelle nachweisen konnten. Es handelt sich um Daten vom 25. Dezember 2015. Erneut wurden zwei Schwarze Löcher beim "Kuscheln" beobachtet. Diesmal allerdings waren es zwei Teenager mit 7,5 und 14,2 Sonnenmassen. Vermutlich spielte sich das Techtelmechtel in 1,4 Mrd. Lichtjahren Entfernung ab. Die letzten 55 Umkreisungen vor der Verschmelzung waren erst mit großem statistischem Aufwand aus dem Hintergrundrauschen zu separieren, da im Gegensatz zur ersten erfolgreichen Detektion im September 2015 nicht drei, sondern nur eine Sonnenmasse in Gravitationswellenenergie umgesetzt wurde. Das erschwert den Nachweis, ermöglicht allerdings detailliertere Betrachtungen weil die Verschmelzung langsamer abläuft.

Die Welle traf seitlich auf die Detektoren - das erkennt man an der kurzen Zeitdifferenz der Signale von lediglich 1,1 Millisekunden. Die relative Längenänderung betrug lediglich 3,4 x 10-22.

Zumindest teilweise konnte auch der Spin der Schwarzen Löcher nachvollzogen werden. Er wird in relativen Einheiten angegeben, wobei 0 für "kein Spin" steht und 1 für "theoretisches Maximum". Zumindest eines der beiden Schwarzen Löcher wies demnach einen Spin von 0,2 auf. Das liegt deutlich unter dem Wert der ersten Detektion (0,67). Alle Angaben zur Quelle weisen jedoch noch üppige Fehlerbalken auf.

Weitere Details finden Sie in der Originalpublikation, die ich in den Downloadbereich gestellt habe.

Das macht neugierig auf den nächsten Survey im Herbst. Bis dahin wird advanced Ligo weiter verbessert, so dass die Detektoren ein etwa 1,5 bis 2-faches Volumen abdecken. Zum Jahresende wird auch Virgo (Italien) hinzustossen und endlich eine Triangulation zukünftiger Quellen ermöglichen.

Josef M. Gaßner (16. Juni 2016)

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