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THEMA: quantenradierer

quantenradierer 10 Nov 2018 12:49 #44783

Mir fehlen für ein besseres Verständnis die Antworten auf zwei Fragen zum Versuchsaufbau (mal noch ganz ohne den 'Quantenradierer'):

1. Worin besteht der sozusagen messtechnische Kniff, den in D3 bzw. D4 detektierten (verschränkten) Teilchen einem bestimmten Spalt zuordnen zu können (gar nicht in allen Details, nur im Prinzip)?
2. (wahrscheinlich mit 1.) zusammenhängend) Gegeben sei die Position von D0 ... können dann D3 und D4 so justiert werden, dass zu jedem 'Treffer' in D0 auch ein 'Treffer' entweder in D3 oder D4 registriert wird?

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quantenradierer 10 Nov 2018 14:34 #44790

Ich will versuchen zu erklären wie ich das verstanden habe.

Generell wird man bei Versuchen mit Einzelphotonen tatsächlich mit zweien arbeiten die aus einer gemeinsamen Quelle stammen Registriert man beide Photonen gleichzeitig in je einem Detektor weis man das Photon zum Experiment gehört und nicht aus irgend einer Störquelle (z.B. kosmischer Hintergrund)
Das an D0 gemessene Photon ist das mit dem experimentiert wird, Das andere landet auf einen anderen Detektor und dient als Referenz (Koinzidenz)

Der Trick besteht jetzt darin das der Kristall der aus einem zwei Photonen macht nicht vor sondern hinter dem Doppelspalt ist. Damit kann man das 2. Photon benutzen um eine "welcher Weg" Information zu gewinnen welche (naturgemäß) das Interferrenzmuster zerstört.

(Achtung: persönliche Interpretation spielt jetzt mit)
Wenn man die "welcher Weg" Information verschleiert indem man die beiden Möglichkeiten wieder dem "Quantenzufall" aussetzt meint man das Interferrenzmuster zurück zu gewinnen. Dem ist aber nicht so. Das Bild an D0 bleibt wie es ist. Lediglich wenn man die einzelnen Meßpunkte nachträglich zuordnet entstehet eine Art Interferrenzmuster.
Vieleicht ist gerade das das Bild an D0 unverändert bleibt und ein Interferrernzmuster herausgerechnet werden kann das eigentlich verblüffende.


PS: kann es sein das die Gewinnung der "welcher Weg" Information die Wellenfunktion garnicht zum kollabieren bringt sondern nur so mit sich selbst überlagert das eine Normalverteilung (mit einer Breite >0) herauskommt, das was die Wellenfunktion ausmacht aber erhalten bleibt?

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quantenradierer 10 Nov 2018 15:39 #44791

Hallo,
zur Messung von verschränkten Teilchen werden Coincidence Counter benutzt.

Theoretischer Hintergrund:
en.wikipedia.org/wiki/Coincidence_counting_(physics)

Beispiel / Praxis / Konkretes Gerät:

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quantenradierer 11 Nov 2018 14:03 #44814

Was man nicht schon alles versucht hat, um die Quantenverschränkung zu überprüfen und auch die letzten „Schlupflöcher“ zu schließen.

die Quantenverschränkung wurde ihrem bisher strengsten Test unterzogen.
www.wissenschaft.de/astronomie-physik/qu...-im-kosmischen-test/

oder auch:
science.orf.at/stories/2810289/

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quantenradierer 11 Nov 2018 17:26 #44824

Brooder schrieb: die Quantenverschränkung wurde ihrem bisher strengsten Test unterzogen.
www.wissenschaft.de/astronomie-physik/qu...-im-kosmischen-test/


Sehr lesenswert für Anhänger verborgener Variablen.

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quantenradierer 11 Nov 2018 20:49 #44828

Was hat Zeilinger denn da besonderes gemacht ausser eine besondere Art Zufallsgenerator zu benutzen?
Er hat eigentlich nur die eh etwas an den Haaren herbeigezogene Art Schlupfloch ausgeschlossen das die Wahl der Meßeinstellung nicht zufällig sein könnte.
"Strengster Test" finde ich etwas reißerisch und übertrieben.

Und... könnte man nicht ein neues Schlupfloch konstruieren? Was wäre wenn die zur Messung benutzten Photonen der Quasare zufällig verschränkt wären?

Das Schließen dieser Art Schlupflöcher finde ich ja schön und gut aber auch nicht besonders aufregend. Viel interessanter wären Experimente die die Anwendbarkeit der Bellschen Ungleichungen selbst angreifen und entweder bestätigen oder widerlegen können.

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quantenradierer 11 Nov 2018 21:03 #44829

Ok dann mache ich mal noch einen Versuch.
Sagen wir der Aufbau ist nur der Doppelspalt mit dem Kristall. Dann der Sensor D0 und am anderen Ende entweder der Sensor D1 D2 oder D3 D4. Also entweder die Bestimmung des Ortes oder die Quantenradierung.
Käme es in dem Fall entweder zu einem Interferenzbild oder einem Bild der Normalverteilung?

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quantenradierer 11 Nov 2018 22:46 #44833

Merilix schrieb:

Und... könnte man nicht ein neues Schlupfloch konstruieren? Was wäre wenn die zur Messung benutzten Photonen der Quasare zufällig verschränkt wären?



wenn das möglich wäre oder meinetwegen auch ist, suggeriert sich ja von selbst die nächste Frage.
Könnte nicht sowieso alles miteinander verschränkt sein in diesem Universum?
Aus der Sicht von Photonen ( Zeit- und Raumlos) nicht unvorstellbar.
Ich finde, die Materie macht den Unterschied.
An allen Experimenten über die wir hier sprechen muss Materie mit im Spiel sein.
die Messapparaturen bestehen aus Selbiger.
Materie erzeugt und manipuliert und misst die Photonen.
Materie ( und damit auch wir selbst) aber kennt Raum und Zeit.
Die Mischung beider Welten ( Photonen und Materie) macht uns so zu schaffen.

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quantenradierer 12 Nov 2018 06:53 #44837

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Merilix schrieb: PS: kann es sein das die Gewinnung der "welcher Weg" Information die Wellenfunktion garnicht zum kollabieren bringt sondern nur so mit sich selbst überlagert das eine Normalverteilung (mit einer Breite >0) herauskommt, das was die Wellenfunktion ausmacht aber erhalten bleibt?

Du meinst also, dass immer nach einer gewissen Zeit ein Heap entsteht. Wenn man jedoch nachträglich alle diese Resultate, die einer Messfeststellung "welcher Weg" entspricht, herausrechnet, dann entsteht bei D0 ein Interferenzmuster?

MfG
WL01

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WL01

quantenradierer 12 Nov 2018 12:31 #44844

Merilix schrieb: Was hat Zeilinger denn da besonderes gemacht ausser eine besondere Art Zufallsgenerator zu benutzen?
Er hat eigentlich nur die eh etwas an den Haaren herbeigezogene Art Schlupfloch ausgeschlossen das die Wahl der Meßeinstellung nicht zufällig sein könnte.

Es ist kein „an den Haaren herbeigezogenes Schlupfloch“, sondern es ist für die menschliche Wissenschaft nur eine verdammt unbequeme Möglichkeit.

Die Problematik wird in diesem Artikel deutlicher:
www.spektrum.de/news/wie-real-ist-die-qu...rschraenkung/1445463

Die „Freiheit der Wahl“ steht beim Bell-Test gleichberechtigt neben dem Kriterium von Lokalität und Realität.
Und um einen Superdeterminismus prinzipiell ausschließen zu können, bräuchte es für den wahren „Cosmic Bell Test“ ein Signal direkt aus dem Moment des Urknalls.
Dieser ist empirisch genauso wenig zugänglich wie die hier häufig angeführten „versteckten Variablen“.
Aber was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
Was die Erklärung dafür sein mag, dass der „Kollaps der Wellenfunktion“ durch den Messvorgang die Interpretation ist, die mehrheitlich vertreten wird.
Auch wenn diese eine ziemliche Krücke sein mag.

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quantenradierer 12 Nov 2018 14:12 #44847

Ich glaube nach wie vor an eine 4. Raumdimension, für die die Relativiätstheorie nicht gilt und über die die Wellenfunktion instantan zusammenbrechen kann. Die "normale" Raumzeit wird für diesen Mechanismus schlicht einfach nicht benutzt.

Nachvollziehbare Mathematik ist notwendige Grundlage zur Beurteilung von physikalischen Modellen.

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quantenradierer 12 Nov 2018 15:13 #44849

MrQubit schrieb:

Merilix schrieb: Was hat Zeilinger denn da besonderes gemacht ausser eine besondere Art Zufallsgenerator zu benutzen?
Er hat eigentlich nur die eh etwas an den Haaren herbeigezogene Art Schlupfloch ausgeschlossen das die Wahl der Meßeinstellung nicht zufällig sein könnte.

Es ist kein „an den Haaren herbeigezogenes Schlupfloch“, sondern es ist für die menschliche Wissenschaft nur eine verdammt unbequeme Möglichkeit.

Die Problematik wird in diesem Artikel deutlicher:
www.spektrum.de/news/wie-real-ist-die-qu...rschraenkung/1445463

Die „Freiheit der Wahl“ steht beim Bell-Test gleichberechtigt neben dem Kriterium von Lokalität und Realität.
Und um einen Superdeterminismus prinzipiell ausschließen zu können, bräuchte es für den wahren „Cosmic Bell Test“ ein Signal direkt aus dem Moment des Urknalls.
Dieser ist empirisch genauso wenig zugänglich wie die hier häufig angeführten „versteckten Variablen“.
Aber was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
Was die Erklärung dafür sein mag, dass der „Kollaps der Wellenfunktion“ durch den Messvorgang die Interpretation ist, die mehrheitlich vertreten wird.
Auch wenn diese eine ziemliche Krücke sein mag.

111

Die beiden Photonen können sich Lichtjahre voneinander entfernen, aber sie bleiben untrennbar miteinander verbunden: Misst man bei Photon A eine vertikale Polarisation, dann ist Photon B sofort horizontal polarisiert, obwohl sein Zustand noch unmittelbar vorher nicht festgelegt war und kein Signal zwischen den beiden Teilchen ausgetauscht werden konnte.

Ist das denn irgendwo / irgendwann experimentell belegt???

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quantenradierer 12 Nov 2018 16:31 #44852

borgi64er schrieb: Ist das denn irgendwo / irgendwann experimentell belegt???


Die Quantenverschränkung wird seit Jahrzehnten in verschiedenen Experimenten immer wieder bestätigt (egal ob mit zwischengeschaltetem „Radierer“ oder ohne).
Natürlich hat niemand bisher entsprechende Detektoren Lichtjahre von uns entfernt platzieren können.
Aber im Hinblick auf Tests mit mittelgroßer Entfernung (z.B. zwischen La Palma und Teneriffa) lässt sich eigentlich kein triftiger Einwand finden, dass sich bei Ausweitung auf erheblich größere Entfernungen am grundsätzlichen Prinzip irgend etwas ändern würde.

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quantenradierer 12 Nov 2018 18:19 #44861

MrQubit schrieb:

Merilix schrieb: Was hat Zeilinger denn da besonderes gemacht ausser eine besondere Art Zufallsgenerator zu benutzen?
Er hat eigentlich nur die eh etwas an den Haaren herbeigezogene Art Schlupfloch ausgeschlossen das die Wahl der Meßeinstellung nicht zufällig sein könnte.

Es ist kein „an den Haaren herbeigezogenes Schlupfloch“, sondern es ist für die menschliche Wissenschaft nur eine verdammt unbequeme Möglichkeit.

Die Problematik wird in diesem Artikel deutlicher:
www.spektrum.de/news/wie-real-ist-die-qu...rschraenkung/1445463

Merilix schrieb: Das Schließen dieser Art Schlupflöcher finde ich ja schön und gut aber auch nicht besonders aufregend.

"Schön und gut" hatte ich wörtlich, d.h. anerkennend gemeint.
Aber man sollte die Kirche auch im Dorf lassen. Es wäre sicherlich nicht besonders hilfreich als Zufallsgenerator verschränkte Photonen zu nehmen. Ein ordentlich programmierter Pseudo-zufallsgenerator würde schon reichen. Und zur Überprüfung die Widerholung mit einer anderen Zufallsquelle. Z.B. ein Affe mit einem handelsüblichen Würfel. Es geht um die freie, vom Experiment nicht rückwirkend beeinflussbare Wahl der Parameter. Ein mathematischer Algorithmus wäre frei davon und der Affe ebenfalls. Wozu also Licht von Quasaren? Womöglich beeinflussen die durch den Doppelspalt gehenden Photonen den Spiegel im Empfangsteleskop??

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quantenradierer 12 Nov 2018 19:03 #44864

Merilix schrieb: Wozu also Licht von Quasaren?


Sie sind vor einigen Milliarden Jahren ausgesandt worden, als noch keinesfalls absehbar war, in welchen Messapparat sie reinlaufen werden.

Glaubt man an verborgene Parameter, dann müsste bei Emission den Photonen vor Milliarden Jahren Parameter für alle möglichen Messungen mitgegeben worden sein.

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quantenradierer 12 Nov 2018 19:40 #44866

ClausS schrieb:

Merilix schrieb: Wozu also Licht von Quasaren?


Sie sind vor einigen Milliarden Jahren ausgesandt worden, als noch keinesfalls absehbar war, in welchen Messapparat sie reinlaufen werden.

Glaubt man an verborgene Parameter, dann müsste bei Emission den Photonen vor Milliarden Jahren Parameter für alle möglichen Messungen mitgegeben worden sein.

Das sind ja nicht die Photonen mit denen experimentiert wird. Die dienen nur dazu zu wählen welche zwei der vier Bell-Zustände gemessen werden sollen. Wer würde verborgene Variablen an dieser Stelle vermuten? Wenn es die verborgenen Eigenschaften gibt dann doch wohl bei den Photonen die erst erzeugt werden.
Ich für mein Teil zweifle nicht daran das die Messungen von den Rahmenbedingungen her in Ordnung sind. Mich beschäftigt vielmehr die Frage: wie müsste eine Eigenschaft beschaffen sein damit sie aus dem Anwendungsbereich der Ungleichung herausfällt (keine klassische Ja/Nein Entscheidung) und wie könnte man die nachweisen? Lösung hab ich allerdings keine.

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quantenradierer 12 Nov 2018 19:40 #44867

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ClausS schrieb:

Merilix schrieb: Wozu also Licht von Quasaren?


Sie sind vor einigen Milliarden Jahren ausgesandt worden, als noch keinesfalls absehbar war, in welchen Messapparat sie reinlaufen werden.

Glaubt man an verborgene Parameter, dann müsste bei Emission den Photonen vor Milliarden Jahren Parameter für alle möglichen Messungen mitgegeben worden sein.


Nicht wirklich. So wie die Autoren der Arbeit, auf die Du Dich beziehst, im Schlussabsatz schreiben, werden auch hier, wie bei Tests der Bellschen Ungleichung üblich, nur lokal-realistische Theorien verborgener Variablen eingeschränkt.

We have therefore dramatically limited the space-time
regions from which local-realist mechanisms could have
affected the outcome of our experiment to early in the
history of our Universe.
To constrain such models further,
one could use other physical signals to set detector settings,
such as patches of the cosmic microwave background
radiation (CMB) or even primordial neutrinos or gravita-
tional waves, thereby constraining such models all the way
back to the big bang—or perhaps even earlier, into a phase
of early-Universe inflation [31,38]. Such extreme tests
might ultimately prove relevant to the question of whether
quantum entanglement undergirds the emergence of space-
time itself (for a recent review, see Ref. [85]) .


Theorien wie die Bohmsche Mechanik mit ihrer expliziten Nichtlokalität, für die Bell viel Sympathie hatte, sind davon nicht betroffen.
Und nur solche werden überhaupt ernsthaft diskutiert.

Gruß,
Lulu

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quantenradierer 13 Nov 2018 10:00 #44875

Lulu schrieb: Theorien wie die Bohmsche Mechanik mit ihrer expliziten Nichtlokalität, für die Bell viel Sympathie hatte, sind davon nicht betroffen. Und nur solche werden überhaupt ernsthaft diskutiert.

Wieso ist die Bohm'sche Mechanik denn nicht-lokal? Sind doch zwei herkömmliche Differentialgleichungen, die für Lokalität stehen. Die erste beschreibt die Führungswelle. Wenn das keine Wahrscheinlichkeitswelle ist, dann muss es ein lokaler Mechanismus eines Substrates sein. Sonst wäre die Beschreibung mit einer Differentialgleichung nicht möglich.

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quantenradierer 13 Nov 2018 10:32 #44881

MrQubit schrieb:

borgi64er schrieb: Ist das denn irgendwo / irgendwann experimentell belegt???


Die Quantenverschränkung wird seit Jahrzehnten in verschiedenen Experimenten immer wieder bestätigt (egal ob mit zwischengeschaltetem „Radierer“ oder ohne).
Natürlich hat niemand bisher entsprechende Detektoren Lichtjahre von uns entfernt platzieren können.
Aber im Hinblick auf Tests mit mittelgroßer Entfernung (z.B. zwischen La Palma und Teneriffa) lässt sich eigentlich kein triftiger Einwand finden, dass sich bei Ausweitung auf erheblich größere Entfernungen am grundsätzlichen Prinzip irgend etwas ändern würde.


Also doch bedeutend weniger als eine Lichtsekunde ... hmm
Davon gleich auf Lichtjahre schliessen??

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quantenradierer 13 Nov 2018 14:51 #44888

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Hi Micha,

Wieso ist die Bohm'sche Mechanik denn nicht-lokal?


Weil sie auch "raumartig entfernte" Teilchen berücksichtigt die mit lokalen Teilchen instantan wechselwirken können...
Siehe Führungswelle... Dh. der Ursprung der Führungswelle kann sozusagen in unendlicher Entfernung liegen.. (Verschränkung)
NGse Z.

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quantenradierer 13 Nov 2018 15:36 #44891

Z. schrieb: Weil sie auch "raumartig entfernte" Teilchen berücksichtigt die mit lokalen Teilchen instantan wechselwirken können...

Wie soll das mit einer Differentialgleichung gehen, die keine Wahrscheinlichkeitswelle beschreibt? Instantan geht nur bei Wahrscheinlichkeiten, nicht aber, wenn man ein reales Substrat zugrunde legt. Das geht dann nur mit einer Zusatzdimension oder der Simulationshypothese. Die Gleichung der Führungswelle enthält aber keine zusätzliche Dimension.

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quantenradierer 13 Nov 2018 16:00 #44892

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Wikipedia hilft hier zum Überblick:
„Da die Wellenfunktion auf dem Konfigurationsraum \(R^{3N}\) (mit N der Teilchenanzahl) definiert ist, verknüpft die Führungsgleichung im Prinzip die Bewegung individueller Teilchen mit dem Ort aller anderen zum selben Zeitpunkt.“

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quantenradierer 13 Nov 2018 16:04 #44893

Rupert schrieb: Wikipedia hilft hier zum Überblick:
„Da die Wellenfunktion auf dem Konfigurationsraum \(R^{3N}\) (mit N der Teilchenanzahl) definiert ist, verknüpft die Führungsgleichung im Prinzip die Bewegung individueller Teilchen mit dem Ort aller anderen zum selben Zeitpunkt.“

Also sogar mehr Dimensionen wie Teilchen? Das stellt ja sogar die Stringtheorie weit in den Schatten. Glaubst Du das? Ich nicht. Das hat mit dem Begriff "Welle" nichts mehr zu tun. Das ist in meinen Augen absoluter Schwachsinn. Sowas geht nur in der Simulation eines Quantencomputers. Da bleib ich lieber bei der Wahrscheinlichkeitsinterpretation.

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quantenradierer 13 Nov 2018 16:38 #44894

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Was soll ich da glauben? Ich bin der Quantenmechanik nicht mächtig, lese nur hin und wieder was drüber und schenke Wissenschaftlern da deutlich mehr Glauben als meinem Gefühl, Beiträgen von Forenbenutzern, die auch keine Quantenphysiker sind, oder ähnlichem.

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quantenradierer 13 Nov 2018 19:38 #44895

Michael D. schrieb:

Rupert schrieb: Wikipedia hilft hier zum Überblick:
„Da die Wellenfunktion auf dem Konfigurationsraum \(R^{3N}\) (mit N der Teilchenanzahl) definiert ist, verknüpft die Führungsgleichung im Prinzip die Bewegung individueller Teilchen mit dem Ort aller anderen zum selben Zeitpunkt.“

Also sogar mehr Dimensionen wie Teilchen? Das stellt ja sogar die Stringtheorie weit in den Schatten. Glaubst Du das? Ich nicht. Das hat mit dem Begriff "Welle" nichts mehr zu tun. Das ist in meinen Augen absoluter Schwachsinn. Sowas geht nur in der Simulation eines Quantencomputers. Da bleib ich lieber bei der Wahrscheinlichkeitsinterpretation.


Naja, die Kritik an der Bohmschen Mechanik liegt ja nicht an der Unmöglichkeit der Simulation durch klassische Computer (das Thema ist z.B. mit dem Quanten-Hall-Effekt eh schon gegessen), sondern vor allem an der Nichtvereinbarkeit mit den Prinzipien der Relativitätstheorie.
Und Einstein hat bei den meisten Wissenschaftlern eben immer noch ein ziemliches Stein im Brett.

Ansonsten ist der Gedanke, das Universum selbst als Quantencomputer aufzufassen, eine durchaus schon bestehende Hypothese
www.heise.de/tp/features/Der-erste-Quant...70994.html?seite=all

Physiker wie Susskind, Verlinde, Hooft etc. argumentieren zunehmend informations- statt teilchengetrieben.
Und die "Simulations-Matrix"-Nerds werden auch schon irgendwann begreifen, dass der Schritt von "Virtualität" zu "Emergenz" gar kein so großer ist ;)

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quantenradierer 13 Nov 2018 19:43 #44896

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Michael D. schrieb: Also sogar mehr Dimensionen wie Teilchen? Das stellt ja sogar die Stringtheorie weit in den Schatten. Glaubst Du das? Ich nicht. Das hat mit dem Begriff "Welle" nichts mehr zu tun. Das ist in meinen Augen absoluter Schwachsinn. Sowas geht nur in der Simulation eines Quantencomputers. Da bleib ich lieber bei der Wahrscheinlichkeitsinterpretation.

physik.uni-graz.at/~uxh/teaching/interp-qm/vortrag1.pdf

Eine der wesentlichen Eigenschaften der Bohmschen Mechanik ist ihre Nichtlokalität. Ein Teilchen ist in der Lage, über die Wellenfunktion ein weit entferntes anderes Teilchen sofort, aber kausal, deterministisch, zu beeinflussen. Dies geht nicht ohne ein bevorzugtes Bezugssystem. Ist dies nun eine spezielle, nicht sehr schöne Eigenschaft der Bohmschen Theorie, die eine verbesserte Bohmsche Theorie nicht mehr haben würde? Diese Frage beantwortet das Bellsche Theorem hervorragend. Jede Theorie, die einerseits kausal-realistisch ist und in der die Einstein-Kausalität gilt, gilt auch die Bellsche Ungleichung. Deren Verletzung beweist, dass in jeder Theorie, die kausal und realistisch ist wie die Bohmsche Theorie, die Einstein-Kausalität nicht gelten kann (im weiteren Sinn).

Wie diese Orte verknüpft sind ist natürlich offen. Vielleicht über deine postulierte 4. Raumdimension (Konfigurationsraum??)?
Also aufgrund verborgener Variablen, die jedoch nichtlokal sein müssen.
Siehe auch: www.mathematik.uni-muenchen.de/~bohmmech/Poster/post/post.html

MfG
WL01

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MfG
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quantenradierer 13 Nov 2018 19:58 #44897

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Moin Micha,

Instantan geht nur bei Wahrscheinlichkeiten, nicht aber, wenn man ein reales Substrat zugrunde legt.

Ich glaube hier liegt der Hase im Pfeffer...

Substrat = Teilchen, wenn ich dich dies bzgl. korrekt verstanden habe..
Bohm gerecht folgen (all) die Teilchen deterministischen Bahnen. (im Gegenteil zu wahrscheinlichen* Bahnen aus quantenmechanischer Sicht)
Dh. deren Impuls und Ort ist zu jederzeit eindeutig, sprich kontinuierlicher Entwicklung, sie werden im Laufe somit auch kontinuierlich vergehender Zeit, von der Führungswelle geleitet! Dies widerspricht der Diskontinuität* von Teilchenbahnen der QM, also genau der Wahrscheinlichkeit die du augenscheinlich ansprichst!?


Wenn wir hinschauen tauchen solche Teilchen also genau dort auf, wo sie Bohmscher Interpretation zu diesem Zeitpunkt sein sollten... Diese Bohmsche deterministische Entwicklung auf n viele Teilchen erweitert.......also weitere Teilchen die zudem von der selben Führungswelle beeinflusst, jedoch auf anderen vorgegebenen Bahnen propagierten, somit an anderen Orten zu finden sind (gerade auch die raumartiger Entfernung).... bewirkt letztendlich den Verschränkungs-Effekt. Und zwar genau dann wenn eines dieser Teilchen aus irgend einem Grund (zb Messung) von seiner vorgegebenen Bahn abweicht, werden auch die anderen Teilchen die von der besagten Führungswelle beeinflusst, instantan reagieren...

Die Führungswelle wird sozusagen durch einen ""nicht deterministischen" Event (Messung) beeinflusst.. und dem gemäss verhalten sich alle bis dahin von der F-Welle gesteuerten, systembedingten Teilchen... zB. Ort vom Teilchen abhängig, deren Impuls jedoch von der Welle....

So zumindest, interpretiere ich das hier mal sprachgebräulich.
NGse Z.

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quantenradierer 13 Nov 2018 21:10 #44898

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Michael D. schrieb:

Rupert schrieb: Wikipedia hilft hier zum Überblick:
„Da die Wellenfunktion auf dem Konfigurationsraum \(R^{3N}\) (mit N der Teilchenanzahl) definiert ist, verknüpft die Führungsgleichung im Prinzip die Bewegung individueller Teilchen mit dem Ort aller anderen zum selben Zeitpunkt.“

Also sogar mehr Dimensionen wie Teilchen? Das stellt ja sogar die Stringtheorie weit in den Schatten. Glaubst Du das? Ich nicht. Das hat mit dem Begriff "Welle" nichts mehr zu tun. Das ist in meinen Augen absoluter Schwachsinn. Sowas geht nur in der Simulation eines Quantencomputers. Da bleib ich lieber bei der Wahrscheinlichkeitsinterpretation.


wl01 schrieb: Wie diese Orte verknüpft sind ist natürlich offen. Vielleicht über deine postulierte 4. Raumdimension (Konfigurationsraum??)?
Also aufgrund verborgener Variablen, die jedoch nichtlokal sein müssen.


Mit ein paar essentials aus der Klassischen Mechanik, wie Konfigurationsraum, Kontinuitätsgleichung, Hamilton-Jacobi Gleichung usw,. ist man, wenn es um das Verständnis von Schrödinger, Bohm & Co. geht, klar im Vorteil. Der Konfigurationsraum hat nichts mit zusätzlichen Raumdimensionen zu tun.

Gruß,
Lulu
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quantenradierer 13 Nov 2018 21:41 #44900

Lulu schrieb: Der Konfigurationsraum hat nichts mit zusätzlichen Raumdimensionen zu tun.


Korrekt, es geht um zusätzliche Freiheitsgrade.
Aber die Unterscheidung zu "Dimensionen" ist nicht immer einfach...

Als neuer "User" dieses Forums mal eine Off-Topic-Frage:
Warum erscheint dieses Thema eigentlich unter "Forum-Neuigkeiten"?

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quantenradierer 13 Nov 2018 23:41 #44902

MisterQubit,

Warum unter Forumsneuigkeiten? Naja, weil das Thema auf das letzte Video von Josef Bezug nimmt.
Zum Erscheinungszeitpunkt waren das Neuigkeiten.
Wo sollte das Thema denn deiner Meinung nach verortet sein?

Thomas

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