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THEMA: Nichts

Nichts 07 Jan 2019 20:00 #46790

Hallo aero,

das sehe ich auch so: Kein Selektionsdruck.
Zum Thema Geist ist meine Vorstellung eine andere: Ich sehe den als Teil unserer "Maschinerie". Ein Aspekt dieser Maschinerie ist der "Geschichtenerzähler". Er spinnt Geschichten, u.U. auch alternative Geschichten, eröffnet uns Handlungsoptionen. Und das hat sich in der Evolution, wenn auch ein sehr energieverbrauchender Bestandteil unseres Wesens, als effektiv erwiesen. Und dieser Geschichtenerzähler, denke ich, ist es auch, der uns eine Geschichte vom Geist erzählt und uns als unverzichtbaren Bestandteil integriert. Deshalb sehe ich das mit den 13,8 Mrd Jahren naturgemäß etwas anders. Sie sind bis auf ein Zucken jenseits unseres Horizonts. Wir erzählen nur eine Geschichte davon nach.

Herzliche Grüße von der Ostsee!

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Nichts 07 Jan 2019 22:33 #46793

Moin,

aero schrieb:
Auch ich bin überzeugt, dass der Geist, den wir mit Zucker versorgen müssen, damit er sein kann, sich in dem Moment aufgibt, in dem der Energiestrom endet.



Oder....der Geist sorgt dafür, dass er mit Zucker versorgt wird.
Er hat halt Lust die Welt mit materiellen Augen zu erleben...und das mit möglichst Vielen aus verschiedensten Perspektiven.
Unser kleines Ego wäre dann halt der Triebmotor um genug Zucker zu beschaffen.
Ein bisschen Entscheidungsfreiheit und die Vernunft (falls man sie nutzen möchte) gibt`s dazu, damit es nicht zu langweilig wird.
Auch etwas hinter die Kulissen zu schauen wird gewährt, wenn das Ego nicht nur ans Esssen und Trinken denkt, sondern auch Fragen stellt, die nichts mit Selektionsdruck zu tun haben.

Bewusste und erkentnisfähige Materie hat jedenfalls ne andere Qualität als ein toter Stein.
Wer das Nichts finden will, denke ich, sucht das Falsche.

Grüße Brooder


@ BackeBackeKuchen....das hat mir mein "Geschichtenerzähler" erzählt... und man muss wirklich aufpassen, ob man ihm alles glaubt :cheer:
Grüße von der Müritz

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Gene brauchen Vielfalt und der Grips auch

Nichts 08 Jan 2019 19:30 #46833

Hallo Brooder,

der Begriff "Geschichtenerzähler" stammt nicht von mir, ein Neurowissenschaftler, dessen Name ich leider vergessen habe, hat ihn geprägt. Es ist nach dessen Forschung eine Instanz in unserem Gehirn, die für Konstruktion unserer Realität verantwortlich ist. Unser Gehirn verarbeitet ja Wahrnehmung und ergänzt ohne dass wir viel Einfluss darauf hätten gemäß dem Körper- oder Umweltmodell, das wir schon haben. Das spart Energie, macht uns aber auch anfällig für höhere Werte auf der nach oben offenen Münchhausen-Skala (siehe etwa Erinnerungsprobleme bei Zeugenaussagen oder schlicht wunschgemäß angepasste Erinnerungen, wie sie diese Deutsch-Kanadische Psychologin in Versuchsreihen ihren Probanden unterschob (war im Spiegel aber auch z.B. hier: www.businessinsider.de/psychologin-pflan...dem-ergebnis-2018-10 ). Diese Instanz scheint wenig zu schlafen und versorgt uns laut diesem Neurowissenschaftler mit einem Strom teils alternativer Geschichten zu Vergangenheit und Zukunft. Wenn wir Teil der Geschichten sind und die Geschichten in die Zukunft reichen, sind es Handlungsoptionen.
Das, was du Bewusstsein nennst, ist für mich ein Begriff, über den seit Jahrhunderten geschwurbelt wird, der aber nicht sauber definiert ist. Ich denke, dass erst die neuere Gehirnforschung Ergebnisse wird liefern können, aus welchen Bestandteilen dieses Ding eigentlich besteht. Klar ist schon, dass z.B. Körperbewusstsein dazu gehört. Unsere Nerven versorgen unser Gehirn ständig mit Informationen wie "Bin noch da!" (Finger an Großhirn) und erhalten so das Körperbild. Oliver Sacks beschreibt in seinem Buch zum Verlust seines Beines (er hat es nicht wirklich verloren, hatte aber, weil es so lange eingegipst war, irgendwann den Eindruck, dass es ein Fremdkörper wäre, der da in seinem Bett läge), was passiert, wenn das Körperbewusstsein bzgl. eines Gliedmasses nicht regelmäßig aktualisiert wird. Weiteres Beispiel ist Zeitbewusstsein. Ein Philosoph namens Husserl hat ein interessantes Modell zu unserem Zeitbewusstsein erstellt. Danach werden Ereignisse erst einmal in einer Folge im Gedächtnis abgespeichert und dann in einer Aktion als Zeitfolge abgerufen und so entstünde für uns Zeit (nachzulesen etwa in Rovellis Buch "Die Ordnung der Zeit"). Ja, und der Abruf dieser Ereignisfolge aus unserem Gedächtnis erfolgt, denke ich, durch unseren Geschichtenerzähler. Er und diese 2 Beispiele sehe ich als Bestandteile unseres "Bewusstseins". Geist ist nun etwas, was noch abgehobener ist. Dass Materie mit Geist mehr ist als ein Stein: einverstanden. Ein Stein mit einem Spiegelei ist auch mehr als ein Stein...;)
Der Gedanke des "Nichts" ist ein Produkt dieses Dings, das du Geist nennst. Wir brauchen mehr Information darüber.

Schöner Gruß von der Ostsee an die Müritz!
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Nichts 08 Mär 2019 12:37 #49464

Wie soll das gehen Nichts wahrzunehmen? Wahrnehmung hat immer was Stoffliches in der Konnotation.

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Nichts 08 Mär 2019 14:37 #49483

urururu12 schrieb: "Wie soll das gehen Nichts wahrzunehmen? Wahrnehmung hat immer was Stoffliches in der Konnotation."

Geht auch nicht, denke ich.

Wahrnehmung ist eine Hirnaktivität und von Energieumwandlung abhängig, (um das Wort Energieverbrauch zu vermeiden) und an stoffliche Strukturen gebunden. Ursprünglich ist Wahrnehmung die Verarbeitung eines Impulses von einem Sinnesorgan im Gehirn. Der Impuls wird durch einen Energieeintrag ausgelöst. Das setzt also eine Quelle für eine Emission von Energie voraus. Und das kann ich von einem gestandenen NICHTS wirklich nicht erwarten.

Wir haben den Vorgang aber auf die Ebene der Denktätigkeit übertragen und meinen mit wahrnehmen auch erkennen durch Nachdenken, vergleichen mit Erfahrungen und abstrahieren.

Quanten können wir auch nicht wahrnehmen mit Sinnen, aber der Geist umzingelt den Begriff mit Bildern und füllt ihn so mit einer Vorstellung.

Und so ist es mit dem NICHTS. Ein abstraktes Konstrukt. Nichts lag der Natur ferner, als den erfolgreichsten Jäger aller Zeiten mit der Möglichkeit auszustatten, das NICHTS zu erfahren. Das ist einfach unnötig für das Überleben.

Die Neugier ist bei allen wenig an Instinkt gebundenen und dafür aber lernfähigen Tieren (mir fallen nur Arten ein mit kompliziertem Nahrungserwerb wie Jagd), eine angeborene und wirkungsvolle Überlebenshilfe.
Dass wir uns ein Bild vom Nichts machen wollen (und sei es nur als Negativ, als Ausgespartes umgeben von ETWAS) ist wohl ein Kollateralschaden der Neugier. Wie alles andere auch, was wir hier diskutieren.

[Ein eher philosophisches Problem bleibt: Schwarz / Dunkel. Was ist das? Das Ausbleiben eines Sinnesreizes können wir ebenfalls registrieren. Und sehen schwarz. Ist das SCHWARZ des Gesichtssinnes das Pendant zum NICHTS des Intellekts? Bedenklich: Die Farben sind willkürliche Erfindungen des Hirns. Licht hat keine Farbe und ist nicht hell. Schwarz kommt der Realität näher, als unsere bunte Welt in unseren Köpfen. Ist auch das NICHTS realer, als die Vorstellungen von der Welt in unseren Weltbildern?
Die Realität, wie wir sie erleben ist jedenfalls kein Irrtum. Aber sie ist wohl noch nicht alles. Ein Photon kommt ohne Zeit und Raum aus. Wie das NICHTS auch. Irgendwie komisch....]

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